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Gen Z fürchtet KI stärker als Generation X - So wollen sie von Versicherern abgesichert werden

37 Prozent der unter 30-Jährigen in der Industrie fürchten laut neuer Swiss-Life-Studie den Jobverlust durch KI. Tatsächlich ist in dieser Altersgruppe eine andere Ursache für Berufsunfähigkeit dominant. Warum die Lücke für Versicherer eine Prozessfrage ist, nicht nur eine Vertriebsfrage.

Gen Z fürchtet KI stärker als Generation X - So wollen sie von Versicherern abgesichert werden
Gen Z fürchtet Jobverlust durch KI. // Bild mit Hilfe von KI generiert.

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Arbeitskraftabsicherung | Analyse

37 Prozent der unter 30-Jährigen in der deutschen Industrie fürchten, in den nächsten zehn Jahren durch KI ersetzt zu werden. In der Generation X sind es 17 Prozent. Bemerkenswert ist nicht die Angst, sondern ihre Fehlrichtung: Das Risiko, das die Arbeitskraft junger Beschäftigter tatsächlich am häufigsten beendet, ist ein anderes. Für Versicherer ist das keine Kommunikationsfrage, sondern eine Prozessfrage. Warum bleibt eine Zielgruppe mit hohem Sicherheitsbedürfnis trotzdem unversichert?

Das Wichtigste

 

37 Prozent der unter 30-Jährigen sehen KI als Bedrohung ihrer Arbeitskraft. Tatsächlich sind psychische Erkrankungen laut Franke und Bornberg mit 38,44 Prozent der häufigste BU-Auslöser genau in dieser Altersgruppe.

Das Bewusstsein fehlt nicht: 72 Prozent der Industriebeschäftigten halten Arbeitskraftabsicherung für wichtig, aber 56 Prozent fühlen sich unzureichend informiert und 46 Prozent haben keine.

Der größte Reibungsverlust liegt hinter dem Abschluss: Rund 80 Prozent der BU-Leistungsanträge werden anerkannt, doch in mehr als der Hälfte der übrigen Fälle brechen Versicherte das Verfahren selbst ab.

 

Die Studie von Swiss Life Deutschland, der IGBCE und ChemieRente, erhoben von YouGov unter 1.153 Industriebeschäftigten, zeigt zunächst wachsenden Druck: 54 Prozent erwarten steigende Anforderungen an Belastbarkeit, 44 Prozent fühlen sich bereits heute mehrbelastet. Die Treiber sind konkret, nämlich Zusatzarbeit durch Effizienzprogramme (49 Prozent) und Personalabbau (48 Prozent). In der Produktion berichten 59 Prozent von Mehrbelastung, in der Verwaltung 37 Prozent.

 

Die jüngste Generation fürchtet KI und unterliegt einem anderen Risiko

 

Übergreifend fürchten 25 Prozent der Befragten, binnen zehn Jahren durch Automatisierung ersetzt zu werden, bei den unter 30-Jährigen sind es 37 Prozent, bei der Generation X 17 Prozent. Auch die Belastung durch den Wandel geben die Jüngsten mit 59 Prozent deutlich häufiger an als Millennials (38 Prozent) und Generation X (41 Prozent).

Der Abgleich mit der Leistungsstatistik führt zu einem anderen Bild. Die BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke und Bornberg, die mehr als 60 Prozent des deutschen Marktes abdeckt, weist psychische Erkrankungen mit 28,35 Prozent als häufigsten Auslöser eines Leistungsantrags aus, vor Muskel- und Skeletterkrankungen (18,77 Prozent). Bei den 18- bis 30-Jährigen erreichen sie mit 38,44 Prozent ihren Höchstwert. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Zukunftsangst und Erkrankung ist plausibel, aus diesen Daten aber nicht belegbar.

Der Widerspruch in einem Satz

 

Dieselbe Altersgruppe, die zu 37 Prozent den Verlust ihrer Tätigkeit durch KI fürchtet, trägt mit 38,44 Prozent den höchsten Anteil psychisch bedingter Berufsunfähigkeit. Die gefürchtete Bedrohung liegt in der Zukunft, die belegte wirkt bereits heute.

 
 

Das Sicherheitsbedürfnis ist da, der Zugang fehlt

 

72 % / 46 %

 

Relevanz gegen Abdeckung

 

72 Prozent halten die Absicherung der Arbeitskraft für wichtig, 46 Prozent haben keine, und 56 Prozent fühlen sich nur teilweise oder schlechter informiert (Swiss Life, IGBCE, ChemieRente, YouGov 2026).

 

Zwischen hoher Relevanzeinschätzung und niedriger Abdeckung liegt damit kein Motivationsproblem, sondern eine Zugangslücke. Genau hier wird aus der Vertriebs- eine IT-Frage: Laut Münchener Rück sind bis zu 25 Gesundheitsfragen im Antrag keine Seltenheit, weshalb der Markt inzwischen um die kürzeste Antragsstrecke konkurriert. Wer eine Zielgruppe erreichen will, die digitale Abschlüsse in Minuten gewohnt ist, konkurriert nicht mit anderen Versicherern, sondern mit der Abbruchschwelle des eigenen Prozesses.

 

Der teuerste Prozessdefekt liegt hinter dem Abschluss

 

Ein Befund derselben Leistungspraxisstudie verdient besondere Aufmerksamkeit: Rund 80 Prozent der Leistungsanträge werden anerkannt. In mehr als der Hälfte der Fälle ohne Zahlung liegt das jedoch nicht an einer Ablehnung, sondern daran, dass Versicherte den Antrag nicht weiterverfolgen. Die Analysten nennen das ausdrücklich irritierend.

Zusammengelesen mit der häufigsten Leistungsursache ergibt sich das strukturelle Problem: Der typische Leistungsfall betrifft eine psychisch erkrankte Person, und genau diese soll ein Verfahren mit ärztlichen Unterlagen, Tätigkeitsbeschreibungen und mehrfachen Nachforderungen durchhalten. Ein Prozess, der an der Belastbarkeit seiner Antragsteller scheitert, ist kein Kundenverhalten, sondern ein Konstruktionsfehler.

 

Gegenargumente und Grenzen

 

Die Einschränkungen sind erheblich. Swiss Life und ChemieRente vertreiben genau die Produkte, deren Fehlen die Studie als Lücke ausweist; die Zuspitzung auf eine Vorsorgelücke ist damit interessengeleitet, auch wenn YouGov methodisch sauber erhebt und die IGBCE als Partner mit gegenläufiger Interessenlage den Belastungsbefund mitträgt. Methodisch handelt es sich um ein Online-Panel aus ausschließlich IGBCE-nahen Industriebranchen, eine Übertragung auf die Gesamtwirtschaft ist unzulässig. Fallzahlen der Generationen-Teilgruppen weist die Veröffentlichung nicht aus, was die pointierten Altersvergleiche relativiert. Und höhere Belastungsangaben der Jüngsten können auch ein verändertes Antwortverhalten abbilden statt objektiv höherer Belastung. Für die Produktgestaltung ist das nachrangig, für die Risikokalkulation nicht.

 

Was Versicherer jetzt tun sollten

 

Konsequenzen für die Praxis

 

Antragsstrecken auf Abbruch messen, nicht auf Abschluss. Erheben, an welcher Frage Interessenten aussteigen, getrennt nach Alterskohorte. Die Zahl der Gesundheitsfragen ist eine Conversion-Kennzahl, nicht nur ein Underwriting-Parameter.

Die Abbruchquote im Leistungsverfahren ins Berichtswesen aufnehmen. Hebel sind automatisierte Statusverfolgung, strukturierte statt wiederholter Nachforderung und Bearbeitungsstände in Klartext.

Dokumentenlast dort automatisieren, wo sie den Kunden trifft. Erstklassifikation ärztlicher Unterlagen und automatisierte Vollständigkeitsprüfung senken die Zahl der Rückfragen an eine erkrankte Person und wirken damit direkt auf die Leistungsquote.

KI-Angst nicht als Verkaufsargument nutzen. Die BU deckt keinen Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung ab. Wer diese Sorge vertrieblich adressiert, ohne den Unterschied zu benennen, erzeugt Fehlerwartungen bis in den Leistungsfall.

 
 

Fazit

 

Nicht fehlendes Risikobewusstsein hält junge Beschäftigte von der Arbeitskraftabsicherung ab, sondern die Reibung auf dem Weg dorthin und zurück. Die Konsequenz liegt weniger im Produkt als in der Prozesskette. Priorität hat der Leistungsprozess: Ein Verfahren, das mehr als die Hälfte der berechtigten Anträge an der eigenen Komplexität verliert, entwertet das Produkt im entscheidenden Moment, unabhängig von der Bedingungsqualität. Entscheiden wird sich, ob Versicherer ihre Automatisierung weiter vorrangig ins Neugeschäft lenken oder in den Moment, in dem der Kunde auf sie angewiesen ist.

 

Quelle

 

Swiss Life Deutschland, IGBCE und ChemieRente: „Druck auf Belegschaften wächst“, 03.08.2026. YouGov-Befragung von 1.153 Industriebeschäftigten, 11. bis 29.06.2026. presseportal.de

Franke und Bornberg: BU-Leistungspraxisstudie 2026 (Datenbasis 2024, über 60 Prozent Marktabdeckung) zu BU-Ursachen, Altersverteilung und Antragsabbrüchen. franke-bornberg.de

Münchener Rück: Smart Underwriting, zur Zahl der Gesundheitsfragen im Antragsprozess. munichre.com

 

Nächster Schritt

 

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