96 Prozent dunkel: Wie SCHUNCK die Grenze der Automatisierung clever verschiebt
Industrieversicherung galt als zu komplex für die Vollautomatisierung. Ein Industriemakler beweist das Gegenteil: 96 Prozent Dunkelverarbeitung auf seinen Hochvolumen-Prozessen. Der Trick liegt in einer klugen Entscheidung, die jeder Vorstand auf sein eigenes Haus übertragen kann.
Industrieversicherung und Vollautomatisierung galten lange als Widerspruch. Zu individuell die Policen, zu viele Sonderfälle. Der Industriemakler SCHUNCK GROUP, Teil der Ecclesia Gruppe ist führend in der Transport- und Logistikversicherung. Sie zeigt, wie sich dieser Widerspruch auflöst. Bei Transportanmeldungen erreicht das Haus nach eigenen Angaben 96 Prozent Dunkelverarbeitung, 93 Prozent aller eingehenden Schadenmeldungen legt die KI vollautomatisch an. Der eigentliche Kniff liegt in einer Entscheidung: SCHUNCK automatisiert gezielt das, was sich in großer Menge wiederholt.
Das Hochfrequente schlägt das Komplexe
Der Erfolg liegt in der Fokussierung. SCHUNCK lässt die individuelle Zeichnung eines komplexen Industrierisikos bewusst außen vor und greift sich die transaktionale Hochvolumen-Schicht: die laufende Anmeldung einzelner Transporte unter bestehenden Rahmenverträgen und die Erfassung eingehender Schadenmeldungen.
Das sind die wiederkehrenden Vorgänge mit stabilem Ablauf, die auf das vergleichsweise homogene Transportgeschäft für den Mittelstand passen. Genau hier ist der Automatisierungsgewinn am größten. Hoher Durchsatz, klare Struktur, wiederkehrendes Muster.
Der Engpass sitzt im Posteingang
Die einzelnen Vorgänge erreichen die Mitarbeiter eines Industriemaklers in Form von E-Mails, oft mit Anhang. An dieser Stelle trifft strukturierte Verarbeitung auf unstrukturierten Input, und genau hier bricht klassische Automatisierung ab.
SCHUNCK setzt genau dort an. In 18 Monaten liefen rund 160.000 E-Mails durch eine KI-gestützte Extraktion, die den Inhalt ausliest, die relevanten Daten strukturiert und den Vorgang einem Kunden und Vertrag zuordnet. Knapp 40.000 dieser Vorgänge waren Transportanmeldungen. Weil solche Anmeldungen häufig als Excel-Listen eingehen, harmonisiert und standardisiert ein RPA-Roboter die Listen und bereitet sie so auf, dass das hauseigene Prämienanmeldesystem sie einliest. Dieses legt den Datensatz an, fakturiert die Prämie und schickt dem Kunden die Bestätigung. Bei Schadenmeldungen legt die KI den Schaden automatisch im eigenen System an und teilt dem Kunden sofort eine Schadennummer mit.
Der Hebel liegt in der KI. Ein gescanntes Dokument bleibt ein Bild, das ein Mensch weiterhin lesen, interpretieren und abtippen muss. Die KI dagegen versteht den Inhalt einer E-Mail oder Liste und überführt ihn in strukturierte Daten. Erst dadurch läuft der Vorgang ohne Handarbeit weiter, und die Dunkelverarbeitungsquote steigt. KI und RPA teilen sich die Arbeit: Die KI erschließt den unstrukturierten Input, der RPA-Roboter vereinheitlicht die strukturierten Massendaten dahinter.
📎 Weiterführend im VTM:
→ Wie KI-Agenten Versicherern helfen, manuelle Vorgänge zu automatisieren
→ Jenseits der Dunkelverarbeitung: Die neue Rolle des Menschen im Zeitalter der KI-gestützten Prozessintelligenz
Optimieren, was man selbst steuert
Der Ansatz ist bewusst auf den eigenen Wirkungskreis gerichtet. SCHUNCK sitzt als Makler im Fluss zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer und optimiert konsequent den Teil, den das Haus selbst steuert: den eigenen Eingang, die eigene Vorgangssteuerung, die eigene Anmeldung. Das ist der Fokus. Statt auf die Digitalisierung der gesamten Kette zu warten, verwandelt der Makler seinen eigenen Posteingang in einen messbaren Kostenvorteil.
Beim größten Vorgangsstapel anfangen
Sofort (0 bis 30 Tage): Die eigenen Prozesse danach absuchen, welche hohe Volumen und wiederkehrende Struktur verbinden, etwa Anmeldungen unter Rahmenverträgen oder die Schadenerstmeldung. Dort sitzt das Potenzial für Dunkelquote. Das Einzelfall-Underwriting und das Aushandeln der Rahmenverträge bleiben vorerst Expertenarbeit.
Mittelfristig (30 bis 90 Tage): Eine KI-gestützte Extraktion auf den Eingangskanal setzen, die unstrukturierte Nachrichten inhaltlich versteht und strukturiert, die klaren Fälle automatisch weiterleitet und Ausnahmen an Mitarbeitende aussteuert. Und ein durchgängiges Monitoring darüberlegen, das für jeden Vorgang Position und Erkennungsqualität sichtbar macht.
Typische Fallstricke: Ein reines Scan-Projekt bewegt Papier, aber keinen Prozess. Und Insellösungen ohne gemeinsames Zielbild binden später mehr Ressourcen, als sie sparen.
KPI zur Steuerung: Die Dunkelverarbeitungsquote je Prozess zeigt den Fortschritt. Die härtere Kennzahl sind die Stückkosten pro Vorgang. Sie übersetzen die Automatisierung direkt in die GuV.
Wachstum ohne Anstieg der Stückkosten
In einem klassischen Servicegeschäft steigt mit dem Volumen der Personalaufwand: mehr Vorgänge, mehr Hände. Bei SCHUNCK sinken die Stückkosten je Vorgang, während das Geschäft wächst. Diese Entkopplung von Wachstum und Kosten ist der eigentliche Gewinn, greifbarer als jede Quote.
Und dieser Gewinn verzinst sich. Jeder weitere Prozess, der die Handarbeit verlässt, senkt die Stückkosten erneut und vergrößert den Vorsprung. Wer den ersten Hochvolumen-Prozess früh erschließt, startet den Zinseszins. Die Werkzeuge sind vorhanden, der Weg ist von SCHUNCK vorgezeichnet, die Zahlen liegen offen. Was jetzt zählt, ist die Entscheidung anzufangen.
Quellen
- SCHUNCK GROUP / Ecclesia Gruppe (Fallunternehmen, Fokus Transport und Logistik)
- Praxisbericht im Podcast Insurance. Explorers. (Folge 48), 10.02.2026 (Quelle der Kennzahlen, Eigenangaben SCHUNCK)
- GDV: Wie die Versicherer ihre Prozesse zunehmend automatisieren (neutraler Branchentrend)
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