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KI-Skalierung ist Chefsache: Was Peter Stockhorsts wöchentlicher KI-Review wirklich verlangt

Peter Stockhorst lässt seinen Vorstand wöchentlich auf jedes KI-Projekt schauen. Die BaFin hält die Branche für weniger weit, als sie sich öffentlich gibt. Was Allianz und Signal Iduna beweisen, wenn Führung, Daten und die richtigen KPIs zusammenkommen.

KI-Skalierung ist Chefsache: Was Peter Stockhorsts wöchentlicher KI-Review wirklich verlangt
Die Assekuranz kann KI-Skalierung schon heute wirksam steuern, Google Gemini Illustration

Peter Stockhorst, Digitalvorstand der Zurich Gruppe Deutschland, CEO der DA Direkt und Vorsitzender des InsurLab Germany, bringt es im Insurance Monday Podcast auf eine Formel: „Wer KI nicht skaliert, der verliert an Wettbewerbsfähigkeit." Sein Haus (DA Direkt) ruft „AI First" aus, und der gesamte Vorstand schaut wöchentlich auf jedes KI-Projekt.

Zur gleichen Zeit mehren sich die Zweifel in der Branche, ob sich das Tempo rechnet. Auch die Aufsicht dämpft die Erwartungen. Denn Versicherer räumen offen ein, dass sich der Nutzen kaum exakt beziffern lässt. Au an diesem kritischen Punkt zeigt sich: KI-Skalierung ist Chefsache. Entscheider müssen systematisch an KI-Erfolgen arbeiten, sonst bleibt vom Tempo nur teurer Aktionismus übrig.

AI First heißt: Jedes Projekt zählt, jede Woche

Stockhorsts Vorbild ist konkret und damit nachahmbar. „AI First" ist ein Priorisierungssignal an die gesamte Organisation: Jedes Projekt und jede Maßnahme wird an diesem Anspruch gemessen. Entscheidend ist die zweite Hälfte des Gedankens. Mehr Fokus bedeutet auch depriorisieren, denn Ressourcen sind endlich. Der wöchentliche Vorstands-Review sorgt dafür, dass die Führung nah an den Projekten bleibt und jederzeit priorisieren kann.

Im Kern verschiebt Stockhorst das Thema weg von der Technologie. KI ist kein reines IT-Thema mehr, es geht um Change Management. Und er benennt den wahren Engpass: „Da bin ich halt bei Daten, Daten, Daten." Sein Podcast-Gesprächspartner Dr. Philipp Nolte, Geschäftsführer des InsurLab Germany, bestätigt das aus eigener Erfahrung mit dutzenden Versicherern: „Wir sprechen eigentlich zu wenig über Daten." 

Auch Mark Klein, CDO der ERGO Group, deckt sich mit dieser Einschätzung. Aus acht Jahren KI-Praxis nennt Klein die Datenqualität als „das A und O" und als ersten von fünf Faktoren, die über den Erfolg einer Skalierung entscheiden. 

Der Business Case, der sich nicht exakt kalkulieren lässt

Stockhorsts Vorreiterrolle trifft in der Branche auf durchaus auf Widerspruch. Die BaFin-Versicherungsaufseherin Julia Wiens dämpfte auf der insureNXT die Erwartungen an die öffentlich demonstrierte KI-Reife der Branche: „So weit sind wir noch nicht in der Branche." Sie verweist auf eine bei vielen Häusern schwache Datenbasis und darauf, dass es zunächst qualifiziertes Personal und erhebliche Investitionen brauche, bevor sich KI wirklich lohne.

Die Praktiker bestätigen das indirekt. Wie Signal Iduna, ERGO und Allianz gegenüber dem Spiegel einräumen, ist es kaum möglich, bei jedem Vorhaben einen exakten Business Case durchzurechnen. Hinzu kommt die Kostenseite: Munich-Re-Manager Martin Thormählen warnt im Branchenaustausch vor „Agent Sprawl", der unkontrollierten Vermehrung eigenständiger KI-Agenten im Unternehmen, und vor ausufernden Betriebskosten, wenn KI ohne Steuerung wuchert. 

Wer jetzt nur Tempo macht und Use Cases im POC-Stadium zählt, riskiert eine Bühne für Aktivität ohne Wirkung. Tragfähig wird der Review erst mit den richtigen KPIs, die echte Wirkung statt bloßer Aktivität messen.

📎 Weiterführend im VTM:
→ Das KI-ROI-Paradoxon: Warum die Branche KI an der falschen Zahl misst
→ Warum jede Versicherung jetzt einen CAIO auf Vorstandsebene braucht

Drei Erfolgskennzahlen, eine Gemeinsamkeit

Die Auflösung liegt in der Frage, unter welchen Bedingungen sich KI auszahlt. Die Belege dafür exisitieren: Die Allianz meldet im Schadenmanagement Produktivitätssteigerungen von rund 30 Prozent. Bei Signal Iduna senkte der KI-Einsatz im Krankengeschäft die Falschweiterleitungsquote um 84 Prozent, die hauseigene Plattform CoSI nutzten binnen sechs Monaten bereits 94 Prozent der Belegschaft.

Allianz-COO Barbara Karuth-Zelle nennt was diese Fälle eint: Wenn Mitarbeiter eine echte Arbeitserleichterung wahrnehmen, steigt die Akzeptanz. Genau das ist der Unterschied zwischen einem messbaren Use Case und einem teuren Experiment: ein klar definierter KPI, eine saubere Datengrundlage und eine Anwendung, die im Alltag spürbar entlastet. Stockhorsts „Daten, Daten, Daten" und Kleins „Datenqualität ist das A und O" sind damit keine Floskeln, sondern die Vorbedingung jeder belastbaren Wirtschaftlichkeit.

Run the System. Change the System. Gleichzeitig.

Damit verschiebt sich die Anforderung an den Vorstand. Skalieren allein genügt nicht. Gefragt ist Beidhändigkeit: den laufenden Betrieb stabil halten und zugleich Neues aufbauen, der Tradeoff zwischen „Run the System" und „Change the System". Beides verlangt Ownership auf der obersten Entscheidungsebene, weil sich Prioritäten quer über Compliance, Fachbereiche und IT sonst nicht durchsetzen lassen.

Dass Technologie die Spielregeln verschiebt, ist für die Branche keine neue Erfahrung. Dr. Jürg Schiltknecht, Helvetia Deutschland, erinnert daran, dass schon „das World Wide Web die Informations-Asymmetrie zwischen Versicherer und Endkunden deutlich reduziert" hat. Wer diese Lektion ernst nimmt, behandelt den wöchentlichen KI-Review als Steuerungsinstrument mit Substanz: Er ist nur so gut wie die KPIs und die Daten, die ihn füttern.

Der Widerspruch zwischen Stockhorsts Vorreiterrolle und der Skepsis der Branchenkollegen löst sich also nicht von selbst. KI-Skalierung gelingt dort, wo Führung Fokus setzt, Wirkung ehrlich misst und beide Hände nutzt.

Die Entscheidung fällt jetzt, das Ergebnis in drei Jahren

Die Beispiele in diesem Artikel zeigen: Die Assekuranz kann KI-Skalierung schon heute wirksam steuern. In zwei bis drei Jahren sehen wir, welche Häuser aus dem wöchentlichen Review eine echte Steuerungsdisziplin gemacht haben. 


Quellen

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