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Mein Sonntagsbriefing liest die Newsletter, die ich nicht mehr schaffe

Mein Sonntagsbriefing liest die Newsletter, die ich nicht mehr schaffe

Kolumne: Hands on
Autor: Johannes Oberhofer |
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💡 Diese Folge kommt aus dem Privaten — ich habe meinen privaten Claude-Account genutzt, weil es um meine privaten Newsletter-Abos geht.

Reality Check

Ich habe mir ĂŒber die Zeit eine ganze Flut an KI-Newslettern abonniert, um auf dem Laufenden zu bleiben. Inzwischen sind es so viele, dass ich in den Newslettern selbst den Überblick verliere. Die Dinger stapeln sich im Postfach, ich ĂŒberfliege drei, markiere den Rest als „lese ich am Wochenende" und lese ihn dann doch nicht. Die Inspiration dazu kam ĂŒbrigens aus einem GesprĂ€ch mit Kolleginnen, die dasselbe Problem beschrieben haben.

Letzte Woche habe ich mir deshalb etwas gebaut. Zuerst ein eigenes, separates Mailpostfach, mit dem ich mich bei all diesen Newslettern angemeldet habe — die laufen jetzt also nicht mehr in mein normales Postfach. Dann einen Agenten in meinem privaten Claude-Account, der ausschließlich auf dieses eine Postfach zugreift. Der fasst mir die fĂŒr mich relevanten Themen aus allen Newslettern zusammen und schickt mir Sonntagabend ein Briefing.

Warum das fĂŒr dich zĂ€hlt

Zwei Dinge haben sich dadurch geĂ€ndert, ein gutes und eines, ĂŒber das ich noch nachdenke.

Das Gute: Mein eigentliches Postfach ist wieder schlank. Die Newsletter landen woanders, und ich bekomme das Wesentliche daraus einmal die Woche gebĂŒndelt, statt tĂ€glich angerieselt zu werden. Das Trennen von Postfach und Abo-Flut allein hĂ€tte mir schon geholfen — der Agent macht aus dem abgetrennten Haufen dann noch etwas Lesbares.

Der Haken, und den will ich nicht verschweigen: Wenn ein Agent mir die „relevanten" Themen vorsortiert, lese ich tendenziell weniger ĂŒber den Tellerrand. Genau das, was ich vor einer Woche hier noch als wichtige menschliche FĂ€higkeit beschrieben habe — ĂŒber den eigenen Fachbereich hinausschauen —, baue ich mir mit so einer Zusammenfassung ein StĂŒck weit weg. Denn das Briefing zeigt mir vor allem, wonach ich gefragt habe. Der zufĂ€llige Fund, der Artikel ĂŒber ein Thema, von dem ich gar nicht wusste, dass es mich interessiert — der fĂ€llt leichter durchs Raster.

Ich halte den Tausch fĂŒr mich trotzdem fĂŒr richtig, weil die Alternative ehrlicherweise war, die Newsletter gar nicht zu lesen. Ein vorsortiertes Briefing, das ich wirklich lese, bringt mir mehr als zwanzig ungelesene Mails mit theoretisch grenzenlosem Horizont. Aber ich sollte wissen, dass ich den Zufall mit abgeschnitten habe — und ihn mir an anderer Stelle bewusst zurĂŒckholen.

Was du jetzt tun kannst

đŸŒ± Die Tiny Habit: Wenn dich dein Newsletter-Stapel das nĂ€chste Mal anschaut, ohne dass du ihn liest, richte dir fĂŒr die Abos ein eigenes Postfach ein.
  1. Leg dir ein separates, kostenloses Mailpostfach nur fĂŒr Newsletter an. Trag dort nach und nach deine Abos ein, oder melde dich einmal um. Das allein nimmt schon Druck aus dem Haupt-Postfach.
  2. Wenn du einen KI-Assistenten mit Zugriff auf dieses Postfach nutzen darfst, gib ihm einen klaren Auftrag: „Fass mir die Themen X, Y, Z aus den Mails der letzten Woche zusammen und nenn mir, in welchem Newsletter das stand." Die Quelle mitnennen zu lassen ist wichtig, damit du bei Bedarf nachlesen kannst.
  3. Leg dir das als feste Routine auf einen ruhigen Zeitpunkt — bei mir ist es der Sonntagabend. Einmal die Woche gebĂŒndelt schlĂ€gt tĂ€glich zerstreut.

Ehrlich dazu: Der zweite Schritt setzt voraus, dass dein Assistent ĂŒberhaupt auf ein Postfach zugreifen darf — das ist technisch nicht ĂŒberall möglich und im dienstlichen Umfeld selten erlaubt (dazu unten mehr). Fang notfalls kleiner an: Du kannst auch einzelne Newsletter per Copy-Paste in den Assistenten geben und zusammenfassen lassen. Weniger elegant, aber du brauchst keine Postfach-Anbindung. Und noch etwas: Lass dir die Quellen immer mitnennen. Eine Zusammenfassung ohne Fundstelle klingt gut und lĂ€sst sich nicht ĂŒberprĂŒfen — gerade bei einem Thema, bei dem du weiterklicken willst.

đŸ›Ąïž Hands on im VTM-Kontext
Hier wird es fĂŒr unsere Branche heikel, deshalb der ausdrĂŒckliche Hinweis. Einen Agenten dauerhaft auf ein E-Mail-Postfach zugreifen zu lassen, ist ein großer Schritt — und einer, den du mit deinem dienstlichen Postfach nicht einfach so gehst. In einem Firmen-Postfach liegen Kundendaten, interne Absprachen, personenbezogene Informationen. Das gehört nicht an einen privaten Agenten, Punkt.
Mein Aufbau funktioniert gerade deshalb, weil ich ein sauber getrenntes, privates Postfach nur fĂŒr öffentliche Newsletter benutze. Da liegt nichts Sensibles, der Agent sieht ausschließlich das, was ohnehin an eine offene Verteilerliste ging. Wenn du so etwas dienstlich aufsetzen willst, ist die erste Frage nicht „wie baue ich den Agenten", sondern „welches Postfach darf er ĂŒberhaupt sehen" — und die beantwortest du mit deiner IT, nicht allein.

Dein To-Do fĂŒr diese Woche

Richte dir diese Woche das getrennte Newsletter-Postfach ein — das ist der Schritt, der auch ohne jede KI schon wirkt. Und wenn du darfst, hĂ€ng einmal eine wöchentliche Zusammenfassung dran.

Dann schreib mir gern in die Kommentare: Wie hĂ€ltst du dich auf dem Laufenden, ohne in der Info-Flut unterzugehen? Und die Frage, die mich gerade selbst umtreibt — wie sorgst du dafĂŒr, dass du trotz Vorsortierung noch ĂŒber den Tellerrand schaust?

Bis nÀchste Woche,
Hannes

đŸ“€ Kennst du jemanden, dessen Newsletter-Ordner auch ein Friedhof guter Absichten ist? Leite ihm die Folge weiter.
VTM / Weiterdenken

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