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Die wichtigste Entscheidung triffst du vor dem Prompt

Die wichtigste Entscheidung triffst du vor dem Prompt

Kolumne: Hands on
Autor: Johannes Oberhofer |
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💡 Diese Folge hat ausnahmsweise keine neue Tool-Routine. Sie tritt einen Schritt zurĂŒck und schaut auf das, was unter den bisherigen Folgen liegt. Die ĂŒbliche Regel gilt trotzdem, sobald du wieder ein Tool aufmachst: sicherer Assistent, keine sensiblen Daten.

Reality Check

Letzte Woche habe ich wenig an einem Tool gesessen und viel mit Menschen geredet. Eine Panel-Diskussion mit Leuten aus Wirtschaft, Forschung und Personal, und ein Vortrag beim BLLV vor Grund- und Mittelschullehrenden. So verschieden die Runden waren — eine Frage kam ĂŒberall auf: Welche FĂ€higkeiten brauchen wir als Mensch eigentlich noch, wenn die KI uns so viel abnimmt?

Die Sorge dahinter verstehe ich absolut. Wenn ich die halbe Woche damit zubringe, Routinen zu bauen, die mir Arbeit abnehmen — bleibt am Ende ĂŒberhaupt noch etwas ĂŒbrig, das wirklich ich tue?

Warum das fĂŒr dich zĂ€hlt

Wer hier lĂ€nger mitliest, hat ĂŒber die Monate eine Reihe kleiner Routinen gesehen. Morgens als Erstes die KI öffnen. Einen Spielplan per Screenshot in KalendereintrĂ€ge umwandeln. Freitags die offenen To-dos der Woche einsammeln und sortieren. So unterschiedlich diese Routinen sind, darunter liegt immer dieselbe Bewegung: etwas abgeben — das Abtippen, das Zusammentragen, das Formatieren — damit wieder mehr Zeit ĂŒbrig bleibt. Zeit, um sich z.B. Gedanken zu machen, wo der Einsatz von KI den nĂ€chsten Hebel fĂŒr mich selbst oder meine Vorhaben bietet.

Und ich bin ĂŒberzeugt, dass wir diese "Zeit zum Denken" kĂŒnftig noch viel mehr brauchen werden.

Innovative Lösungswege finden. Mit anderen Menschen gut reden, gerade wenn es schwierig wird. Über den eigenen Fachbereich und die eigene Branche hinausschauen. Und am Ende kritisch bewerten, was da eigentlich herauskommt — bei der KI genau wie bei allem anderen. FĂŒr nichts davon gibt es einen Prompt, der es dir komplett abnimmt.

Ich musste mich mein Berufsleben lang immer wieder neu sortieren — in der Ausbildung zum Fitnessökonom, in gut fĂŒnfzehn Jahren Unternehmertum, und heute bei der Bayerischen. Das war schon so, lange bevor KI eine Rolle spielte. Die KI Ă€ndert das Tempo und die Werkzeuge, aber nicht die eigentliche Aufgabe: sich einarbeiten, Chancen erkennen, neu ausrichten. Insofern ist „wir brauchen unseren Kopf weiter" fĂŒr mich keine schlechte, sondern eine ziemlich gute Nachricht.

Der vielleicht unterschĂ€tzte Punkt steckt schon ganz am Anfang. Allein die Entscheidung, ob ich fĂŒr eine Aufgabe die KI nehme oder lieber selbst ran muss, verlangt ja Hirnleistung. Diese Entscheidung nimmt dir das Tool nicht ab — sie ist der Moment, in dem die menschliche Intelligenz (HI) die Regie behĂ€lt.

Was du jetzt tun kannst

đŸŒ± Die Tiny Habit: Bevor du die nĂ€chste Aufgabe an die KI gibst, halt zwei Sekunden inne und frag dich: KI-Aufgabe oder Kopf-Aufgabe?
  1. Nimm die nĂ€chste Aufgabe, bei der du reflexhaft die KI aufmachen wĂŒrdest, und ordne sie kurz ein. Geht es ums Einsammeln, Umwandeln, Sortieren, einen ersten Entwurf? Dann ist es eine gute KI-Aufgabe, gib sie ab.
  2. Geht es ums AbwĂ€gen, ums Entscheiden, um ein heikles GesprĂ€ch, um die Frage, ob das Ergebnis ĂŒberhaupt stimmt? Dann ist das deine. Die KI darf zuarbeiten, challengen, die Verantwortung bleibt bei dir.
  3. Mach das ein paar Tage bewusst. Du bekommst mit der Zeit ein GefĂŒhl dafĂŒr, welche Aufgaben du zu schnell abgibst — und welche du aus Gewohnheit selbst machst, obwohl die KI sie dir lĂ€ngst abnehmen könnte.

Ehrlich dazu: Das ist ein Zwei-Sekunden-BauchgefĂŒhl, kein zusĂ€tzlicher PrĂŒfschritt, der dich ausbremst. Es soll kein GrĂŒbeln vor jedem Prompt werden. Und viele Aufgaben sind beides — die KI macht den ersten Teil, du den zweiten. Es geht nicht um eine saubere Trennung, sondern darum, die Entscheidung ĂŒberhaupt bewusst zu treffen, statt aus Reflex.

đŸ›Ąïž Hands on im VTM-Kontext
Gerade in unserer Branche ist dieser erste Denkschritt mehr als eine ProduktivitĂ€tsfrage. Was ich einem Tool gebe und was ich im eigenen Kopf behalte, ist die erste Linie im Datenschutz — noch vor jeder technischen Freigabe. Und das kritische Bewerten der KI-Ausgabe ist kein Nice-to-have, sondern Pflicht: In einem regulierten Umfeld trĂ€gt am Ende ein Mensch die Verantwortung fĂŒr das, was rausgeht, nicht das Modell. Die KI ist ein starkes Hilfsmittel, das vieles erst möglich macht. Wer es fĂŒhrt, bleibst du.

Dein To-Do fĂŒr diese Woche

Probier die KI-oder-Kopf-Frage diese Woche ein paarmal bewusst aus. Achte besonders auf die Aufgabe, die du beinahe abgegeben hÀttest, und bei der du dann gemerkt hast: nein, die gehört mir.

Und dann schreib mir gern in die Kommentare: Welche Aufgabe hast du diese Woche ganz bewusst fĂŒr deinen eigenen Kopf behalten? Mich interessiert, wo bei euch die Linie zwischen „das macht die KI" und „das mache ich" verlĂ€uft.

Bis nÀchste Woche,
Hannes

đŸ“€ Kennst du jemanden, der gerade fĂŒrchtet, die KI mache sein Mitdenken ĂŒberflĂŒssig? Leite ihm die Folge weiter — die Nachricht ist besser, als sie klingt.
VTM / Weiterdenken

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