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Alle sollen jetzt KI nutzen. Aber wo wirkt sie wirklich?

Alle sollen jetzt KI nutzen. Aber wo wirkt sie wirklich?

Kolumne: Hands On | Johannes Oberhofer LinkedIn

💡 Ich arbeite mit unserem sicheren KI-Assistenten ROBIN. Die Routine funktioniert genauso mit ChatGPT, Gemini oder Claude. Wichtig: keine sensiblen Daten — anonymisieren, abstrahieren, mit Platzhaltern arbeiten.

Reality Check

Ich war vor Kurzem mit meiner Familie in den Bergen. Bergbahn rauf, oben ein Restaurant, schöner Tag.

Und dann sind mir, und sogar meinen Kindern, die Plakate aufgefallen. An der Talstation, in der Gondel, oben beim Restaurant. Man hat sofort gesehen, dass sie offensichtlich mit KI gemacht waren — und ĂŒber „Kunst" lĂ€sst sich ja bekanntlich streiten.

Was mir dabei durch den Kopf ging, hatte am Ende gar nicht mehr mit den Plakaten zu tun. Es war eine Frage an mich selbst: Wo mache ich eigentlich Sachen mit KI, nur weil es geht?

Warum das fĂŒr dich zĂ€hlt

FrĂŒher hat so ein Plakat Aufwand gekostet. Man musste jemanden beauftragen, es selbst können oder Zeit investieren. Dieser Aufwand war lĂ€stig — aber er war auch ein Filter. Irgendwer hat sich unterwegs zwangslĂ€ufig gefragt: Brauchen wir das ĂŒberhaupt?

Mit KI ist der Aufwand weg. Ich tippe zwei SĂ€tze und habe ein Plakat. Erstmal großartig. Nur fĂ€llt damit auch die Frage weg, die der Aufwand frĂŒher automatisch mitgestellt hat. Weil es mich fast nichts mehr kostet, mache ich es einfach. Ohne mich zu fragen, ob es das braucht.

Und ehrlich, das passiert mir selbst ab und zu. Ich lasse eine Grafik bauen, weil ich es kann — nicht weil die Sache eine braucht. Oder ich formuliere eine Mail zum dritten Mal um, weil die KI ja eh offen ist. Es kostet mich nichts. Also tue ich es.

Die Entscheidung, etwas nicht zu machen, trifft heute niemand mehr von allein. FrĂŒher hat der Aufwand sie getroffen. Jetzt muss ich sie selbst treffen — und das ist ungewohnt.

FĂŒr die Flut, die so entsteht, gibt es inzwischen ein Wort: KI-Slop. Gemeint ist das ganze schnell generierte Zeug — Texte, Bilder, Grafiken —, das technisch in Ordnung ist, aber eigentlich niemand gebraucht hĂ€tte und im schlechtesten Fall nicht von einem Menschen qualitĂ€tsgesichert wurde. Es mĂŒllt einfach den Raum zu. Die Plakate am Berg waren fĂŒr mich so ein Fall.

Dazu kommt etwas, das man leicht ĂŒbersieht: die Kosten. FĂŒr mich fĂŒhlt sich jeder Prompt gratis an — ich tippe, es kommt was raus. Nur stimmt das nicht. Jede Generierung braucht Rechenleistung, und die zahlt am Ende jemand. Bei einem einzelnen Bild merkt das keiner. Über eine ganze Organisation gerechnet, tausendfach am Tag, wird daraus eine Position, die im Budget auftaucht. Wer unnötig produziert, produziert eben auch unnötige Kosten mit.

Mitarbeitende sollen KI nutzen. In fast jedem Unternehmen lĂ€uft gerade dieselbe Botschaft: mehr KI, ĂŒberall, am besten sofort. Ich trage die Botschaft mit — ich will, dass Leute anfangen, statt zuzuschauen.

Und gleichzeitig soll und muss sie sinnvoll eingesetzt werden - in allen Aspekten der Nachhaltigkeit.

Ob ich „genug" KI nutze, ist mir ehrlich gesagt egal. Mich interessiert, ob an der Stelle, wo ich sie einsetze, am Ende etwas Besseres steht — schneller fertig, sicherer entschieden, weniger Nacharbeit. Etwas, das ich benennen und im Zweifel auch belegen kann. Das ist kein Widerspruch zum Anfangen. Man muss anfangen, um genau das ĂŒberhaupt unterscheiden zu lernen.

Was du jetzt tun kannst

đŸŒ± Tiny Habit: Bevor ich die KI etwas produzieren lasse, frage ich mich einmal: Was will ich damit eigentlich erreichen?

Wenn ich darauf keine klare Antwort habe, ist das schon die Antwort. Und wenn doch, dann:

  1. Benenne das Ziel, bevor du promptest. Nicht „ich mach mal eine Grafik", sondern: Was soll die Grafik können, wen soll sie erreichen, was soll sie auslösen? Wer das nicht sagen kann, produziert ins Blaue — und meistens kommt genau dann Slop raus.
  2. Mach die Wirkung zur Messlatte. Überleg dir, woran du hinterher merken wĂŒrdest, dass es etwas gebracht hat — an der Zeit, an der Fehlerquote, an einer sichereren Entscheidung. Kannst du das benennen, hat der Einsatz einen Zweck. FĂ€llt dir nichts ein, nutzt du KI vielleicht gerade nur, weil man KI eben nutzen soll.

Ehrlich dazu: Nicht jede Kleinigkeit braucht ein durchdachtes Ziel. Wenn ich schnell eine Mail glĂ€tte, frage ich mich das nicht lange. Es geht um die Dinge, die nach außen gehen oder an denen eine Entscheidung hĂ€ngt — da lohnt die halbe Minute Nachdenken, bevor die KI loslegt.

đŸ›Ąïž Hands on im VTM-Kontext
Ein klares Ziel hilft dir auch bei der Compliance. Wer sagen kann, wozu ein KI-Ergebnis dienen soll, kann es auch einordnen — wer prĂŒft es, wer gibt es frei, darf das ĂŒberhaupt so nach außen? Bei ungezieltem Produzieren fehlt genau diese Grundlage. Und sobald Gestaltung oder externe Kommunikation im Spiel ist, denk an Markenrichtlinien und Bildrechte — ein generiertes Motiv, das „irgendwie passt", kann rechtlich schnell unangenehm werden.

Dein To-Do fĂŒr diese Woche

Nimm dir eine KI-Aufgabe, bei der du kurz zögerst, und beantworte vorher eine Frage: Was soll hinterher besser sein? Wenn du's benennen kannst, leg los. Wenn nicht, lass es — oder klĂ€r erst das Ziel.

Und schreib mir gern in die Kommentare: Wann hattest du zuletzt so einen Berg-Moment — ein KI-Ergebnis, bei dem du kurz gestutzt hast?

Bis nÀchste Woche,
Hannes

đŸ“€ Wenn du jemanden kennst, der gerade alles mit KI macht, was eben geht: gib das gern weiter.
VTM / Weiterdenken

Technologie verstehen. Versicherung gestalten.