Vom Compliance-Dilemma zum Wettbewerbsvorteil: So funktioniert professionelles Testdatenmanagement
Wie Versicherer den Spagat zwischen realitätsnahen Tests und strikter Compliance meistern.
Wie Versicherer den Spagat zwischen realitätsnahen Tests und strikter Compliance meistern.
Die digitale Transformation der Versicherungsbranche stellt IT-Verantwortliche vor ein Dilemma: Einerseits benötigen sie realitätsnahe Testdaten, um neue Tarifmodelle, digitale Services oder Schadenprozesse verlässlich zu prüfen. Andererseits verschärfen DSGVO, BaFin-Richtlinien und die neue DORA-Verordnung die Anforderungen an den Datenschutz dramatisch. Das Ergebnis ist ein Spannungsfeld zwischen Innovationstempo und regulatorischen Vorgaben, das viele Versicherer noch nicht optimal aufgelöst haben.
Warum echte Kundendaten in Tests tabu sind
Seit Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 ist die rechtliche Lage eindeutig: Personenbezogene Echtdaten haben in Testumgebungen nichts verloren. Die Nutzung echter Kundendaten zu Testzwecken verstößt gegen grundlegende Datenschutzprinzipien wie Datenminimierung und Zweckbindung. Jede Datenschutzverletzung kann empfindliche Bußgelder und schwerwiegende Reputationsschäden zur Folge haben.
Mit der Digital Operational Resilience Act (DORA), die seit Januar 2025 verpflichtend gilt, verschärfen sich die Anforderungen weiter. Die EU-Verordnung fordert von Finanzunternehmen robuste IT-Sicherheitspraktiken – einschließlich der Absicherung von Testverfahren gegen Cyberangriffe und Datenlecks.
Die BaFin begleitet die DORA-Umsetzung aktiv und erwartet von Versicherern, dass sie ihre Testdaten-Prozesse entsprechend anpassen. Spätestens seit Ablauf der Übergangsfrist am 17. Januar 2025 sind Kompromisse beim Datenschutz nicht mehr tolerierbar.

Das Datenqualitäts-Dilemma
Gleichzeitig dürfen Testdaten nicht so stark anonymisiert werden, dass sie ihre Aussagekraft verlieren. Versicherungsdaten sind hochkomplex vernetzt: Policen, Kundendaten, Schadensfälle und Partnerdaten greifen nahtlos ineinander. Werden diese Beziehungen beim Anonymisieren zerstört, können Tests zur Farce werden – kritische Fehler zeigen sich erst in der Produktion beim echten Kunden.
Viele Versicherer griffen lange zu Notlösungen: Sie kopierten komplette Produktionsdatenbanken und "säuberten" sie nachträglich manuell. Dieses Vorgehen ist jedoch nicht nur datenschutzrechtlich riskant, sondern auch ressourcenintensiv und fehleranfällig. Das 1:1-Klonen von Produktionsdaten gilt heute als erhebliches DSGVO-Risiko ohne Möglichkeit, spezifische Testsätze flexibel zu erstellen.
Agile Entwicklung braucht agile Testdaten
Die moderne Softwareentwicklung in Versicherungen folgt zunehmend agilen Prinzipien. DevOps-Teams und Continuous Integration-Prozesse benötigen eine kontinuierliche Versorgung mit aktuellen Testdaten. Wenn jeder Release-Zyklus wochenlang auf passende Testdaten warten muss, bremst das die Innovationsgeschwindigkeit erheblich aus.
Fachabteilungen und Tester verlangen deshalb nach Self-Service-Lösungen, um benötigte Daten möglichst auf Knopfdruck zu erhalten. Ohne Automatisierung der Testdatenbereitstellung wird die agile Transformation ausgebremst.
Bewährte Lösungsstrategien
Erfolgreiche Versicherer setzen auf eine Kombination aus zwei Kernansätzen:
Intelligente Anonymisierung: Moderne Maskierungsverfahren ersetzen personenbezogene Daten durch plausible Pseudonyme. Aus "Thomas Berger" wird "Stefan Meier" – ein realistisch wirkender Name ohne Personenbezug. Wichtig ist dabei die Konsistenz: Alle Relationen zwischen Kunde, Vertrag und Schadenfall bleiben intakt, sodass aussagekräftige End-to-End-Tests möglich sind.
Gezieltes Subsetting: Anstatt komplette Datenbanken zu kopieren, werden nur die für den jeweiligen Testfall relevanten Ausschnitte extrahiert. Dies reduziert den Speicherplatzbedarf um bis zu 80 Prozent und verkürzt die Bereitstellungszeit um etwa 70 Prozent. Gleichzeitig steigt die Datenqualität, da überflüssige oder veraltete Informationen gar nicht erst einfließen.

Praxiserfahrungen aus der Versicherungsbranche
Wie wichtig und zugleich lösbar das Thema Testdatenbereitstellung ist, zeigen praktische Anwendungsfälle aus Versicherungsprojekten. Ob bei der Einführung eines neuen Kernsystems, bei einer Fusion oder in der Zusammenarbeit mit Dienstleistern und Partnern – stets stellt sich die Frage: Wie testen wir mit echten Bedingungen, ohne echtes Risiko?
Diese Beispiele zeigen: Mit den richtigen Verfahren lassen sich selbst anspruchsvolle Projekte meistern. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist dabei stets die Kombination von Datenschutz und Datenqualität. So wurde in einem Migrationsprojekt (Beispiel Legacy-Modernisierung) durch repräsentative Testdaten sichergestellt, dass Datenfehler vor dem Go-Live entdeckt wurden – lange bevor sie echte Kunden betroffen hätten. In einem anderen Fall (Beispiel Externe Partner) konnte ein Versicherer bedenkenlos externe Entwickler einbinden, weil die bereitgestellten Daten zwar echt wirkten, aber keine realen Personen mehr enthielten.
Die Agilität profitiert ebenfalls: Wo früher Wochen vergingen, bis Testdaten bereitstanden, genügen heute oft wenige Klicks oder eine automatisierte Pipeline, um Teams in Stunden- oder sogar Minutentakt mit frischen Daten zu versorgen.
Moderne Testdaten-Tools integrieren sich in CI/CD-Prozesse (Continuous Integration/Continuous Delivery – also die durchgängige Automatisierung von Software-Builds, Tests und Auslieferungen) und liefern auf Events (etwa jede neue Build-Version) sofort passende anonymisierte Datensätze mit.
Damit wird das Testdatenmanagement vom lästigen Bremsschuh zum Enabler für schnelle Releases.
Weitere Informationen zum Thema sichere Testdatenbereitstellung finde Sie hier.
Testdaten als Wettbewerbsfaktor
Versicherer, die ihr Testdatenmanagement professionalisiert haben, erzielen messbare Vorteile: Sie bringen Innovationen schneller auf den Markt, reduzieren Produktionsfehler und bestehen Audits souverän. Moderne Tools ermöglichen es, die Bereitstellung von Testdaten von einer lästigen Pflichtaufgabe zu einem echten Wettbewerbsfaktor zu entwickeln.
dacon® DataSimulation: Intelligente Testdaten aus der Praxis für die Praxis
Ein innovatives Beispiel liefert dacon® mit dem Tool DataSimulation, das die Bereitstellung von Testdaten grundlegend vereinfacht. Es ist weit mehr als ein generisches Maskierungstool: DataSimulation fungiert als „intelligente Blaupause der Produktionsdaten" – speziell zugeschnitten auf die Anforderungen der IT-Projekte in der Finanz- und Versicherungsbranche.
Kernfunktionen der Lösung:
- Strukturidentische Testdatensätze per Knopfdruck nach individuellen Vorgaben
- Realitätsnahe Anonymisierung unter Bewahrung fachlicher Logiken
- Vollständige DSGVO-Konformität durch plausible Platzhalter statt echter Personendaten
- Self-Service für Tester und Fachanwender – Testdatenausschnitte in Minuten statt Wochen
Das Besondere: DataSimulation wurde aus der Versicherungspraxis für die Praxis entwickelt. Das dacon-Team bringt jahrzehntelange Branchenexpertise mit, kennt typische Datenmodelle und Geschäftsprozesse der Finanzdienstleistungsbranche und hat das Tool exakt darauf zugeschnitten.
Die Mehrwerte im Überblick:
- IT-Teams arbeiten schneller und zuverlässiger
- Keine echten Kundendaten in Umlauf – Pluspunkt für Datenschutz und Revision
- Von der Pflichtaufgabe zum echten Mehrwert: Schnellere Innovation, weniger Produktionsfehler, sichere Compliance
- Testdatenmanagement wird zum praktischen Wettbewerbsfaktor im digitalen Zeitalter
Weitere Informationen zu dacon® DataSimulation finden Sie hier
Fazit: Ohne professionelle Strategie keine digitale Zukunft
Das Testdatenmanagement entwickelt sich vom notwendigen Übel zum strategischen Erfolgsfaktor. Versicherer, die weiterhin auf manuelle Prozesse und Behelfslösungen setzen, riskieren nicht nur Compliance-Verstöße, sondern verlieren auch im Innovationswettbewerb den Anschluss.
Die Botschaft ist klar: Wer in der digitalisierten Versicherungswelt bestehen will, braucht eine durchdachte Testdatenstrategie – eine, die Datenschutz, Datenqualität und Agilität gleichermaßen berücksichtigt. Die Technologie dafür ist verfügbar. Jetzt müssen die Versicherer sie nur noch konsequent einsetzen.


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