Live

Nicht neu erfinden: Was FIDA, FRIDA und Open Insurance vom HIS lernen können

Das HIS der Versicherungswirtschaft existiert seit 1993. Es zeigt, wie gemeinsame Datenutzung gelingt. Was FIDA, FRIDA und KI-Governance davon lernen können.

Nicht neu erfinden: Was FIDA, FRIDA und Open Insurance vom HIS lernen können
Nicht neu erfinden, sondern Learnings von HIS übertragen. Google Gemini Illustration.

Die Versicherungswirtschaft baut gerade an ihrer digitalen Datenzukunft. Open Insurance, FRIDA, FIDA und der EU Data Act schaffen die Grundlage dafür, dass Versicherer künftig Daten aus mehr Quellen, in höherer Qualität und schneller nutzen können als je zuvor. Das ist richtig und notwendig.

Was HIS seit Jahrzehnten beweist, kann FIDA, FRIDA und KI als Governance-Modell übernehmen. Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft zeigt: intensive, branchenweite Datennutzung ist in Deutschland möglich — wenn Betriebsmodell und Entscheidungsmodell stimmen.

Die nächste Stufe datengetriebener Versicherung hängt nicht an fehlenden Daten. Sie hängt an der Frage, wie Versicherer mit Daten verantwortbar umgehen. Dafür gibt es ein bewährtes Vorbild aus der eigenen Branche.


30 Jahre Betrieb: Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft.

Seit 1993 betreibt die Versicherungswirtschaft dieses System. Zunächst in eigener Regie, ab 2011 durch die Informa HIS GmbH, seit Oktober 2025 durch die Besurance HIS GmbH. Über 30 Jahre kontinuierlicher Betrieb: Das ist bewährte Infrastruktur.

HIS adressiert ein strukturelles Problem der gesamten Risikogemeinschaft. Der GDV beziffert den jährlichen Schaden durch fehlerhafte, unwahre oder betrügerische Angaben auf rund sechs Milliarden Euro. Aus diesem Grund dient HIS den Versicherern zur Risikobeurteilung im Antrag, zur Sachverhaltsaufklärung bei der Leistungsprüfung und zur Bekämpfung von Versicherungsmissbrauch.

Entscheidend ist dabei nicht nur, was HIS tut. Sondern wie: klarer Zweck, definierte Einmeldekriterien, geregelte Abfragerechte, Auskunftsmöglichkeit für Betroffene, unabhängige Betreiberstruktur.

Und mit einer zentralen Unterscheidung, die für die Zukunft datengetriebener Versicherung prägend sein wird: HIS liefert Hinweise. Die Entscheidung trifft weiterhin der Versicherer.


Was nach der API kommt

Stufe 1: Technische Anbindungen

Die laufenden Dateninitiativen haben konsequent Stufe 1 adressiert: technische APIs, standardisierte Schnittstellen und konkrete Anwendungsfälle.

FRIDA definiert offene Standards für den Datenaustausch und entwickelt in Arbeitsgruppen kundenorientierte Use Cases. Nicht nur die technische Verbindung, sondern auch die fachlichen Prozesse dahinter. 

Open Insurance setzt den übergreifenden strategischen Rahmen: Versicherungsdaten und -prozesse werden Teil eines vernetzten Ökosystems, in dem Versicherer, Vermittler, Plattformen und Drittanbieter auf gemeinsamer Datenbasis zusammenarbeiten. 

EIOPA hat diesen Rahmen bereits 2021 skizziert und seither weiterentwickelt. FIDA öffnet den Zugang zu Versicherungsvertrags- und Kundendaten regulatorisch. Der EU Data Act erschließt Nutzungsdaten aus vernetzten Produkten, von Fahrzeugen über Smart-Home-Geräte bis zur Industrieausrüstung.

Das ist ein beachtlicher Aufbau. Stufe 1 ist in vollem Gang. Was folgt, sind Stufe 2 und Stufe 3.

Stufe 2: Das Betriebsmodell

Wer Daten nutzt, braucht mehr als eine funktionierende Schnittstelle. Er braucht einen klaren Zweck, dokumentierte Zugriffsregeln, Qualitätssicherung, Transparenz gegenüber Betroffenen und definierte Verantwortlichkeiten. Das ist keine technische Aufgabe, es ist eine Governance-Aufgabe. HIS hat sie gelöst. Für FIDA, FRIDA und KI-Anwendungen steht diese Arbeit in den meisten Häusern noch bevor.

Stufe 3: Das Entscheidungsmodell

Es reicht nicht zu wissen, welche Daten vorliegen. Versicherer müssen klären: Wann unterstützen Daten eine Entscheidung? Wann prüft ein Mensch? Wer trägt Verantwortung und wie wird das dokumentiert? BaFin und EIOPA haben diese Frage bereits auf die Agenda gesetzt: Transparenz, Erklärbarkeit und menschliche Aufsicht sind keine weichen Empfehlungen mehr, sondern Governance-Erwartungen der Aufsicht.

HIS beantwortet Stufe 3 mit einer klaren Architektur: Datenhinweise lösen Prüfprozesse aus, ersetzen aber keine Entscheidung. Diese Logik ist übertragbar.

📎 Weiterführend im VTM:
→ FRIDA – Orientierung und Inspiration im digitalen Wandel
→ Das Ende der Datenhoheit: Wie FIDA und der Data Act die Open-Insurance-Ära einläuten


Weniger Daten ist nicht die Antwort

Es gibt eine Versuchung, die in Datendiskussionen immer wieder auftaucht: die Idee, dass weniger Datennutzung das Problem der Akzeptanz löst. Das ist ein Denkfehler.

Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Versicherer keine Daten nutzen. Vertrauen entsteht dadurch, dass Kunden, Vermittler, Aufsicht und Öffentlichkeit nachvollziehen können, warum Daten genutzt werden, wofür — und welche Rechte Betroffene haben.

HIS zeigt das seit über 30 Jahren. Der Unterschied zwischen einem Instrument, das als Überwachungssystem wahrgenommen wird, und einem, das als Fairnessinstrument gilt, liegt nicht im Umfang der Datennutzung. Er liegt im Betriebsmodell dahinter.

Für Vermittler hat das konkrete Bedeutung. Sie führen das Gespräch mit dem Kunden. Wer erklären kann, warum ein Hinweissystem im Interesse der gesamten Versichertengemeinschaft arbeitet, macht Datennutzung zum Teil eines fairen Versicherungsversprechens. Wer es nicht kann, erzeugt Misstrauen. Unabhängig davon, wie gut das System technisch funktioniert.


Die drei Fragen, die jede Dateninitiative beantworten muss

Die gute Nachricht: Versicherer müssen das Governance-Modell nicht aus dem Nichts entwickeln. HIS ist der praktische Referenzpunkt — erprobt, reguliert, in der eigenen Branche verwurzelt.

Für Vorstände und Bereichsleiter heißt das, drei Stufen konkret zu adressieren:

Stufe 1: Welche APIs, Schnittstellen und Use Cases braucht das Haus für FIDA, FRIDA und den EU Data Act tatsächlich — und welche Datenquellen sind strategisch relevant, nicht nur technisch verfügbar?

Stufe 2: Welchen legitimen Zweck verfolgt die Nutzung? Wer hat Zugang, unter welchen Bedingungen? Wie sind Auskunft, Korrektur und Widerspruch organisiert? Können wir Kunden und Vermittlern den Nutzen verständlich erklären?

Stufe 3: Wann unterstützen Daten eine Entscheidung — und wann prüfen und entscheiden Menschen? Dieses Bild muss dokumentiert, kommunizierbar und gegenüber der Aufsicht belastbar sein.


Nicht neu erfinden. Übertragen.

Die nächste Datenwelle wird nicht am fehlenden Zugang scheitern. FIDA, FRIDA, Open Insurance und der EU Data Act sorgen dafür, dass die Infrastruktur entsteht.

Was den Unterschied macht, ist die Reife des Betriebsmodells dahinter.

HIS zeigt: Die Versicherungswirtschaft kann das. Sie hat es bereits getan. Betriebsmodell und Entscheidungsmodell sind keine neuen Anforderungen von außen, sie sind eine Kompetenz, die die Branche längst besitzt. Wer jetzt damit anfängt, Stufe 2 und 3 gezielt aufzubauen, gestaltet. Das ist kein weicheres Steuern. Es ist ein früheres.


Quellen

Kooperationspartner werden

Erreichen Sie IT- und Innovations-Entscheider der DACH-Versicherungswirtschaft. Sponsored Articles, Jahrespartnerschaften und insureNXT-Pakete.

Mediadaten anfragen →

Willkommen beim

VersicherungsTech Magazin

Technologie verstehen. Versicherung verändern.
VersicherungsTech Magazin

VersicherungsTech Magazin

Technologie verstehen. Versicherung verändern.