Die Frage vor dem Prompt: Wo kostet mich diese Aufgabe Energie?
Kolumne: Hands on
Autor: Johannes (Hannes) Oberhofer
đĄ Ich arbeite mit unserem sicheren KI-Assistenten ROBIN. Die Routine funktioniert genauso mit ChatGPT, Gemini oder Claude. Wichtig: keine sensiblen Daten â anonymisieren, abstrahieren, mit Platzhaltern arbeiten.
Reality Check
Vor einiger Zeit habe ich mich selbst dabei ertappt.
Eine Mail lag vor mir, die eigentlich nur eine kurze BestÀtigung brauchte. Zwei, drei Worte. Stattdessen bin ich ins KI-Fenster gegangen, habe formulieren lassen, nachjustiert, noch einmal nachjustiert.
Am Ende stand da eine sauber ausformulierte Antwort. Nicht besser als das, was ich in zehn Sekunden selbst getippt hÀtte. Nur lÀnger.
Kennst du das vermutlich auch?
RĂŒckblickend war der Fehler nicht, dass ich die KI genutzt habe. Der Fehler war, dass ich vorher keine Sekunde ĂŒberlegt habe, wobei sie mir hier eigentlich helfen soll.
Warum das fĂŒr dich zĂ€hlt
Wir stellen bei KI meistens die Frage: Kann ich das damit machen? Die Antwort lautet fast immer ja â und genau deshalb hilft sie nicht weiter.
Die nĂŒtzlichere Frage ist eine andere: Wo kostet mich diese Aufgabe Energie?
Denn Energie steckt an sehr unterschiedlichen Stellen. Manchmal im Sammeln und Sortieren. Manchmal im Formulieren. Manchmal im AbwĂ€gen, wie man etwas sagt, ohne dass es falsch ankommt. Manchmal im Anfangen ĂŒberhaupt.
Wenn ich weiĂ, wo der Aufwand liegt, weiĂ ich auch, was ich der KI geben kann â und wie ich sie ansprechen muss. Ein âschreib mir eine Antwort" ist etwas völlig anderes als âhilf mir, das so zu formulieren, dass es wertschĂ€tzend klingt".
Und manchmal ist die ehrliche Antwort: Hier kostet mich gar nichts Energie. Dann schreibe ich âja passt" und bin fertig - ganz ohne KI.
Was du jetzt tun kannst
đ± Mein Tiny Habit Bevor ich beginne, mit KI zu interagieren, frage ich mich: Wo kostet mich diese Aufgabe Energie?
Schritt 1 â Benenne den Aufwand. Ist es das Sammeln? Das Formulieren? Das AbwĂ€gen? Das Anfangen? Meist merkst du das in wenigen Sekunden.
Schritt 2 â Gib der KI genau diesen Teil. Nicht die ganze Aufgabe, sondern den Teil, der dich Kraft kostet. Das verĂ€ndert den Prompt â und deutlich das Ergebnis.
Schritt 3 â Wenn nichts Energie kostet, mach es einfach. Eine Zusage ist eine Zusage. Die gesparte Aufmerksamkeit brauchst du an anderer Stelle noch.
đĄïž Hands on im VTM-Kontext Wenn du den Energieaufwand benennst, benennst du oft auch, worum es inhaltlich geht â und genau da rutschen schnell interne Details mit hinein. FĂŒr die Frage âhilf mir, das freundlicher zu formulieren" braucht die KI die Tonlage, nicht den Vertragsstand. Halte den Kontext auf das begrenzt, was fĂŒr den Aufwand relevant ist.
Dein To-Do fĂŒr diese Woche
- Nimm dir drei Aufgaben vor, bei denen du KI nutzen willst.
- Frag dich bei jeder vorher: Wo kostet mich das Energie?
- Und gib der KI dann genau diesen Teil.
Schreib mir, ob sich dadurch etwas an deinem Ergebnis verĂ€ndert hat â eine Zeile reicht. Am besten direkt per Nachricht auf LinkedIn đ https://www.linkedin.com/in/johannes-oberhofer/
Bis nÀchste Woche, Hannes
đ€ PS: Kennst du jemanden, der viel mit KI arbeitet und trotzdem das GefĂŒhl hat, es bringt nicht genug? Dann leite ihm das hier weiter.
đ PPS, in eigener Sache: Wen das Thema Energiemanagement im digitalen Arbeitsalltag grundsĂ€tzlicher interessiert â darĂŒber habe ich ein ganzes Buch geschrieben: Aufladen statt Ausbrennen (HAUFE).
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