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AXA-Studie: Assistenzsysteme senken Unfälle, fördern Ablenkung

AXA-Schadendaten belegen 40% weniger Auffahrunfälle dank Fahrassistenzsystemen. Eine Befragung zeigt aber: Viele Lenkende fühlen sich zu sicher, nutzen häufiger das Handy – der Sicherheitsgewinn drohe teilweise verloren zu gehen.

AXA-Studie: Assistenzsysteme senken Unfälle, fördern Ablenkung

Fahrassistenzsysteme reduzieren laut einer Analyse der AXA Schweiz Auffahrunfälle um rund 40 Prozent – die Auswertung stützt sich auf eigene Schadendaten des grössten Schweizer Autoversicherers. Gleichzeitig zeigt eine begleitende Befragung von 1'272 Personen ein Risiko: Fahrende mit Assistenzsystemen greifen laut Selbstauskunft häufiger zum Smartphone (28 Prozent) als solche ohne (22 Prozent). Mindestens jeder Zehnte schaltet die Systeme demnach gezielt ein, um sich anderen Tätigkeiten zuzuwenden.

Die Erhebung wurde zwischen dem 9. und 20. April 2026 über das Online-Panel AmPuls in der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt, Fachpersonen aus der Autobranche waren ausgeschlossen.

Risikokompensation als Kernproblem

47 Prozent der Befragten mit Assistenzsystemen geben an, riskanter zu fahren im Vertrauen darauf, dass die Technik in kritischen Momenten eingreift. 60 Prozent räumen ein, dadurch weniger aufmerksam zu sein. AXA-Präventionsexperte Luca Genovese führt dies auch auf mangelndes Systemwissen zurück: Fast drei Viertel der Nutzer erhielten beim Fahrzeugkauf keine Einführung in die Funktionsweise, 89 Prozent wünschen sich eine solche Schulung.

«Die heutigen in der Schweiz zugelassenen Fahrassistenzsysteme unterstützen, aber sie übernehmen nicht die Verantwortung. Diese liegt weiterhin vollständig beim Menschen», so Genovese.

Touchscreens als zusätzliche Ablenkungsquelle

Auch die Fahrzeuge selbst tragen laut Studie zur Ablenkung bei: Die Hälfte der Befragten fühlt sich durch verbaute Touchscreens (Musik, Navigation) abgelenkt. Zwei Drittel fordern deshalb wieder mehr physische Bedienknöpfe. Zudem stört sich fast jeder Dritte an Warntönen von Spurhalte- und Lenkassistenten, 23 Prozent am Geschwindigkeitswarner – mit der Folge, dass diese Systeme aktiv deaktiviert werden.

Kostenseite bleibt angespannt

Aus Versicherungssicht ordnet Jérôme Pahud, Leiter Mobilitätsversicherungen bei AXA Schweiz, den Effekt ein: Der Rückgang bei Auffahrunfällen betreffe nur einen kleinen Teil der gemeldeten Schadenfälle und kompensiere die durch hohe Ersatzteilpreise gestiegenen Schadenkosten bei weitem nicht.

Einordnung für die Branche

Die Ergebnisse liefern Versicherern Argumente für differenzierte Tarifmodelle nach ADAS-Ausstattung, unterstreichen aber auch die Notwendigkeit begleitender Präventionsarbeit – etwa durch Schulungsangebote beim Fahrzeugkauf oder in Fahrschulen. Für Hersteller und Regulierer wirft die Studie zudem die Frage auf, wie Mensch-Maschine-Schnittstellen (Touchscreens, Warnsysteme) gestaltet werden müssen, um Ablenkung statt Sicherheit zu vermeiden – ein Thema, das auch im Rahmen der EU-Typgenehmigungsvorschriften zu physischen Bedienelementen ab 2026 an Bedeutung gewinnt.

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