Wenn KI wie Strom wird – Wie wir Wettbewerbsvorteile neu definieren

Wenn KI wie Strom wird – Wie wir Wettbewerbsvorteile neu definieren

Von Johannes Oberhofer

Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr 1900. Ein Unternehmen wirbt damit: „Wir haben jetzt elektrisches Licht!“ Das war damals eine Sensation. Heute ist Strom eine Selbstverständlichkeit. Niemand gewinnt einen Kunden, nur weil im Büro das Licht angeht. Wenn der Strom ausfällt, haben wir ein Problem – aber wenn er da ist, ist das keine Besonderheit.

Wir nähern uns rasend schnell dem Punkt, an dem Künstliche Intelligenz exakt diesen Status erreichen könnte.

Noch vor wenigen Jahren haben wir KI oft als elitäres Werkzeug betrachtet, zugänglich für Tech-Konzerne oder IT-Spezialisten. Doch durch die großen Sprachmodelle ist die Barriere gefallen. Die Bedienung erfolgt nicht mehr über Code, sondern über unsere natürliche Sprache. Damit steht diese mächtige Ressource faktisch jedem zur Verfügung – auch Ihren Kunden.

Die entscheidende strategische Frage für uns als Branche lautet daher nicht mehr „Wie führen wir KI ein?“, sondern: Wie verschaffen wir uns einen Wettbewerbsvorteil in einer Welt, in der jeder die gleiche Technologie in der Tasche hat?

Der Kunde wartet nicht auf unsere Roadmap

Während in vielen Häusern noch über Anwendungsfälle diskutiert wird, schaffen die Kunden bereits Fakten. Sie nutzen die Technologie ganz pragmatisch für sich, um Transparenz zu schaffen.

Aktuelle Zahlen untermauern diesen Trend zur Autonomie:

Laut einer Bitkom-Studie (2025) können sich bereits 39 % der Kunden vorstellen, ihren Versicherungsbestand von einer KI analysieren zu lassen – und zu wechseln, wenn der Algorithmus eine bessere Alternative findet.

Noch spannender für den Vertrieb: 45 % wünschen sich KI-Unterstützung bei komplexen Lebensereignissen wie Heirat oder Umzug, um ihren Schutz anzupassen.

Parallel dazu zeigt eine Untersuchung von Guidewire (2025), dass die Technologie im Alltag ankommt. Ein Drittel der Kunden nutzt KI-Tools bereits wöchentlich. Die Gruppe der Skeptiker schrumpft massiv.

Was bedeutet das? Die Informationshoheit, die früher beim Anbieter oder Vermittler lag, löst sich auf. Der Kunde nutzt KI wie Strom – einfach, weil sie da ist. Wer hier nicht auf Augenhöhe agiert, verliert den Anschluss.

Technologie als Standard, der Mensch als Differenzierungsmerkmal

Wenn die Technologie also zum Allgemeingut wird, kann der reine Zugang zu ihr kein Alleinstellungsmerkmal mehr sein. Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass das Tool selbst die Lösung ist. Der Wettbewerbsvorteil der Zukunft entsteht dort, wo zwei Dinge zusammenkommen:

1. Die eigenen Daten als Treibstoff

Auch wenn alle den gleichen „Strom“ (das KI-Modell) nutzen, entscheidet das Gerät, das wir anschließen. In unserem Fall sind das die proprietären Daten und der Kontext, den wir als Versicherer besitzen. Eine allgemeine KI kann einen Standardtext schreiben. Aber nur eine KI, die mit unserem spezifischen Branchenwissen und unseren Prozessdaten gefüttert wird, liefert exzellente Ergebnisse.

2. Der Faktor Mensch: Wissen, was möglich ist

Hier liegt der größte Hebel. Da die Bedienung der KI so einfach geworden ist, limitiert uns nicht mehr die Technik, sondern unsere Vorstellungskraft. Echter Mehrwert entsteht nicht, wenn wir alte Prozesse nur schneller machen (das ist bloße Effizienz). Er entsteht, wenn Mitarbeitende verstehen, was und wie sie mit der Technologie gestalten können.

Ein spannender Ansatz aus der Praxis kommt hier aus dem Digital Hub (die Bayerische) mit dem Konzept ihres „KI Fitnessstudios“. Der Ansatz adressiert genau dieses Problem: Bloßer Zugang zur Technologie reicht nicht – genauso wenig wie eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio fit macht, wenn man nie hingeht. Das Konzept setzt darauf, Räume zu schaffen, in denen Mitarbeitende ihre „KI-Muskeln“ trainieren können – niedrigschwellig und praxisnah. Nur durch dieses kontinuierliche „Training“ entsteht die Kompetenz, die KI nicht nur als Schreibhilfe, sondern als strategischen Hebel zu nutzen.

Fazit: Co-Intelligenz statt Ersetzung

Wenn eine KI Standardanfragen in Sekunden löst, wird die verbleibende menschliche Interaktion unendlich wertvoll. Es geht um Empathie, um das „Zwischen-den-Zeilen-Lesen“ und um strategische Weitsicht bei komplexen Risiken mit der menschlichen Expertise.

Wir müssen aufhören, KI als Bedrohung oder reines IT-Projekt zu sehen. Sie ist eine Ressource, vielleicht so grundlegend wie Strom.

Der Wettbewerb entscheidet sich künftig an der Schnittstelle: Wer schafft es am besten, die analytische Kraft der KI mit der emotionalen und strategischen Kompetenz seiner Mitarbeitenden zu verweben?

Unsere Kunden werden technologisch souveräner. Tun wir es ihnen gleich – nicht indem wir versuchen, den Computer im Rechnen zu schlagen, sondern indem wir ihn nutzen, um wieder mehr Zeit für das zu haben, was Versicherung im Kern ausmacht: Den Menschen verstehen und ihm Sicherheit geben.

Hinweis:
Dieser Artikel wurde mithilfe von KI erstellt und mit menschlicher Expertise verantwortungsvoll geprüft, veredelt und qualitätsgesichert.

Quellen:

Die europäische Guidewire- Verbraucherstudie 2025 | Guidewire
https://www.guidewire.com/de/about/press-center/european-insurance-consumer-survey

Digital Finance: Wie die Deutschen heute zahlen, sparen und versichern | Presseinformation | Bitkom e. V.
https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Digital-Finance-Wie-Deutsche-zahlen-sparen-versichern