Vom Gedanken-Chaos zur diskutierbaren Grundlage: mein Konzeptstart mit KI.
Kolumne: Hands on
Autor: Johannes (Hannes) Oberhofer | LinkedIn
Lesezeit: ca. 3 Minuten
đĄ Ich arbeite mit unserem sicheren KI-Assistenten ROBIN. Die Routine funktioniert aber genauso mit öffentlichen Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Wichtig dabei: keine sensiblen Daten â anonymisiere, abstrahiere, arbeite mit Platzhaltern.
Reality Check
Es gibt einen Moment im ProjektgeschĂ€ft, den fast alle kennen und kaum jemand mag: das leere Blatt. Du hast einen Auftrag, eine Fragestellung, ein Problem â und ein leeres Dokument, in dem der Cursor blinkt. Du weiĂt ungefĂ€hr, worum es geht. Aber wo anfangen? Welche Struktur? Welcher rote Faden?
Dieser Moment kostet oft mehr Energie als die eigentliche Arbeit danach. Man schiebt ihn auf, kocht sich noch einen Kaffee, beantwortet schnell ein paar Mails â alles, nur nicht anfangen. Und je lĂ€nger das Blatt leer bleibt, desto gröĂer wird die HĂŒrde.
Genau hier kann KI einen der gröĂten Unterschiede machen. Nicht, indem sie das endgĂŒltige Konzept fĂŒr mich schreibt. Sondern indem sie mir hilft, vom leeren Blatt zu einer ersten Arbeitsgrundlage zu kommen, die ich mit anderen KollegInnen diskutieren kann.
Warum das fĂŒr dich zĂ€hlt
Der Reflex bei âKI am Konzeptanfang" ist oft Skepsis â und die ist berechtigt: Wer die KI einfach ein Konzept schreiben lĂ€sst, bekommt etwas Glattes, Generisches, das nach niemandem klingt. Das ist nicht, worĂŒber wir hier reden.
Der eigentliche Wert liegt woanders. Das Schwierige am leeren Blatt ist nĂ€mlich nicht der Mangel an Gedanken â meistens hast du schon viele. Sie liegen nur unsortiert im Kopf herum: ein paar Stichworte, eine Ahnung von der Richtung, drei Bedenken, ein halbes Argument. Das Schwierige ist, diese Rohmasse in eine Form zu bringen, mit der man arbeiten kann.
Und genau das ist die StĂ€rke der KI: nicht deine Gedanken zu ersetzen, sondern sie zu sammeln, zu ordnen und im Sparring zu schĂ€rfen. Du sprichst oder schreibst dein Chaos hinein, die KI macht daraus eine erste Struktur, fragt nach, wo etwas fehlt, und spiegelt dir zurĂŒck, was sie verstanden hat. Heraus kommt kein fertiges Konzept â sondern eine erste Arbeitsgrundlage, um sie mit Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren. Und das ist im ProjektgeschĂ€ft fast immer das eigentliche Ziel: nicht allein das perfekte Dokument, sondern eine Grundlage, an der ein Team weiterdenken kann.
Was du jetzt tun kannst
Wir bleiben bei der Logik aus den letzten Folgen: Du nimmst eine Gewohnheit, die du sowieso hast â und hĂ€ngst eine kleine neue Handlung dran. Diese Woche geht es um die Kopplung, die mir den gefĂŒrchteten Start abnimmt:
đ± Mein Tiny Habit
Bevor ich ein neues Konzept im leeren Dokument beginne, kippe ich erst mein ganzes Gedanken-Chaos in die KI â und lasse sie eine erste Struktur daraus bauen.
Mehr nicht. Das leere Dokument ist der Anker â das Gedanken-Auskippen hĂ€ngt sich davor. Konkret heiĂt das:
Schritt 1 â Kipp alles raus, ungeordnet. Kein Strukturieren, kein Schönschreiben. Sprich oder tippe einfach alles in die KI, was dir zum Thema durch den Kopf geht: Stichworte, halbe SĂ€tze, Bedenken, Beispiele, offene Fragen. Sag der KI vorab: âIch sammle gerade Gedanken zu einem Konzept. Nimm erstmal alles auf, ordne noch nicht â ich bin gleich fertig." Allein dieses Auskippen löst schon den inneren Stau.
Schritt 2 â Lass die KI strukturieren, nicht erfinden. Jetzt der entscheidende Prompt: âBring meine Gedanken in eine erste Struktur. Welche Themenblöcke erkennst du? Was gehört zusammen? Wichtig: Erfinde nichts dazu â arbeite nur mit dem, was ich dir gegeben habe, und markiere, wo etwas offensichtlich fehlt." Der Zusatz âerfinde nichts dazu" ist der SchlĂŒssel: Er hĂ€lt das Ergebnis bei deinen Gedanken, nicht bei generischem KI-Wissen.
Schritt 3 â Geh ins Sparring ĂŒber die LĂŒcken. Die KI wird dir Stellen zeigen, an denen dein GedankengebĂ€ude noch wackelt. Nutze das: âWelche drei Fragen mĂŒsste ich beantworten, damit aus dieser Struktur ein tragfĂ€higes Konzept wird?" Jetzt arbeitest du nicht mehr am leeren Blatt, sondern an konkreten, beantwortbaren Fragen. Das ist ein völlig anderes GefĂŒhl.
Schritt 4 â Mach eine diskutierbare Grundlage daraus â und hör bewusst auf. Lass die KI die Struktur plus deine ergĂ€nzten Antworten zu einem ersten Entwurf zusammenfassen â explizit als Diskussionsgrundlage, nicht als Endprodukt: âFasse das als ersten Aufschlag zusammen, den ich mit meinem Team besprechen kann. Markiere die Punkte, die noch offen sind und gemeinsam geklĂ€rt werden sollten." Genau hier hörst du auf. Den Rest macht ihr zusammen und holt dann die KI wieder mit ins Boot.
Das Schöne an dieser Routine: Sie nimmt dir nicht das Denken ab â im Gegenteil, du denkst sogar mehr, weil du nicht mehr von der Startblockade gelĂ€hmt bist. Sie nimmt dir nur den schwersten Teil ab: den ersten Schritt vom Nichts zum Etwas.
đĄïž Hands on im VTM-Kontext
Beim Gedanken-Auskippen rutscht schnell Sensibles mit rein â Namen, konkrete FĂ€lle, interne Zahlen. Halte dein Rohmaterial bewusst auf der konzeptionellen Ebene: Es geht um Strukturen, Argumente und Richtungen, nicht um vertrauliche Details. Ohne freigegebenen Firmen-Assistenten gilt besonders: Arbeite mit Platzhaltern und GröĂenordnungen statt mit echten Werten. FĂŒr die erste Struktur braucht die KI deine Denkrichtung â nicht deine DatensĂ€tze.
Bis nÀchste Woche,
Hannes
đ€ PS: Kennst du jemanden, der vor jedem neuen Konzept erstmal die Schreibtischschublade aufrĂ€umt, nur um nicht anfangen zu mĂŒssen?
Dann leite diesen Beitrag weiter. Manchmal ist der entscheidende Schritt nicht mehr Disziplin, sondern ein anderer Weg, vom leeren Blatt wegzukommen.
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