Die zwei Geschwindigkeiten der KI: Zwischen Prozess-Perfektion und persönlichem Pragmatismus
von Johannes Oberhofer
Wir diskutieren viel über die Risiken der KI. Doch wer hat eigentlich Angst? Ein Blick in die Zahlen offenbart ein spannendes Paradoxon: Laut einer YouGov-Studie vom August 2025 sehen über ein Drittel jener Menschen, die KI nicht nutzen, ihre Jobsicherheit bedroht. Bei denjenigen, die regelmäßig mit KI arbeiten, sind es nur noch 13 Prozent.
Das zeigt: Angst ist oft ein Mangel an Erfahrung. Doch wer die Technologie dann anfasst, steht vor der nächsten Hürde: der Verwirrung über den richtigen Anspruch. Mitarbeitende schwanken zwischen Schockstarre ("zu viele Tools") und Perfektionismus ("der Prompt muss sitzen").
Die Lösung für Führungskräfte und Anwendende liegt darin, zu verstehen, dass wir KI in zwei völlig unterschiedlichen Geschwindigkeiten nutzen müssen.
Geschwindigkeit 1: Prozess-Perfektion (Effektivität)
Wenn wir über die Automatisierung von Kernprozessen mit Hilfe von KI sprechen – etwa die Dunkelverarbeitung im Schadenfall –, gilt das Prinzip der Effektivität. Hier bedeutet KI-Transformation, den Prozess von der Technologie her völlig neu zu denken.
In diesem Szenario ist "Halluzination" keine Option. Wir investieren zu Recht viel Zeit im Team, um Prompts zu "engineeren", Architekturen zu sichern und eine konstante 100-Prozent-Qualität zu gewährleisten. Hier ist der Perfektionismus Pflicht.
Geschwindigkeit 2: Persönlicher Pragmatismus (Effizienz)
Das Problem entsteht, wenn wir diesen hohen Anspruch der Prozess-Welt ungefiltert auf unseren individuellen Arbeitsalltag übertragen. Hier soll die KI als Co-Pilot und Effizienz-Booster dienen. Wer hier versucht, per Prompt-Engineering sofort die perfekte Endversion einer E-Mail, eines Konzepts oder einer Zusammenfassung zu erhalten, vernichtet oft Zeit.
Der Weg von einem leeren Blatt Papier zu einem 80-Prozent-Entwurf dauert mit KI oft nur Sekunden. Doch den Prompt so lange zu verfeinern, bis er auch die letzten 20 Prozent Nuance und Kontext trifft, dauert oft länger, als den Text selbst zu finalisieren.
Die Strategie der menschlichen Veredelung
Für die persönliche KI-Nutzung müssen wir daher den Mut zur Lücke entwickeln. Die Zauberformel lautet: Menschliche Veredelung.
Anstatt Stunden mit der Suche nach dem "perfekten Prompt" zu verbringen, sollten wir uns mit einem sehr guten ersten Ergebnis (80–90 %) zufriedengeben. Den Rest erledigen wir selbst. Warum? Weil wir als Experten für Kontext, Empathie und fachliche Tiefe die "letzte Meile" viel schneller gehen können als die Maschine.
Ein Beispiel aus der Praxis: Wer aus einem Transkript ein Protokoll erstellen muss, saß früher gerne eine Stunde am leeren Bildschirm. Heute liefert ein guter Prompt ein solides 90-Prozent-Ergebnis. Die KI strukturiert, fasst zusammen und listet To-dos. Die letzten 10 Prozent – die politische Nuance, die Prüfung sensibler Fachbegriffe und die der inhaltlichen Richtigkeit – gebe ich als Teilnehmender des Meetings hinein. Das Ergebnis: Eine Zeitersparnis von fast 90 Prozent, aber eine Ergebnisqualität von 100 Prozent, weil der Mensch den entscheidenden Feinschliff übernommen hat.
Fazit: Co-Intelligenz heißt Differenzierung
KI-Kompetenz bedeutet heute nicht nur, Prompts schreiben zu können. Es bedeutet vor allem zu wissen, in welchem Modus ich mich befinde.
Bauen wir am Prozess-Motor des Unternehmens? Dann streben wir nach technischer Perfektion. Arbeiten wir an unseren täglichen Aufgaben? Dann zählt der Pragmatismus. Wer diese zwei Geschwindigkeiten beherrscht, verliert die Angst vor der Überforderung – und gewinnt die Freiheit, seine menschliche Expertise dort einzusetzen, wo sie wirklich zählt: bei der Veredelung der Ergebnisse.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von KI erstellt und mit menschlicher Expertise verantwortungsvoll geprüft, veredelt und qualitätsgesichert.
Quellen:

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