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# Der Perspektivwechsel: Wie KI hilft, ein Konzept durch fremde Augen zu sehen
- URL: https://www.versicherungstech-magazin.de/der-perspektivwechsel-wie-ki-hilft-ein-konzept-durch-fremde-augen-zu-sehen/
- Published: 2026-07-06T05:35:48.000Z
- Updated: 2026-07-06T05:35:48.000Z
- Author: VersicherungsTech Magazin

**Kolumne:** Hands on  
**Autor:** Johannes (Hannes) Oberhofer | [LinkedIn](https://www.linkedin.com/in/johannes-oberhofer/?ref=versicherungstech-magazin.de)  
**Lesezeit:** ca. 3 Minuten

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> 💡 Ich arbeite mit unserem sicheren KI-Assistenten ROBIN. Die Routine funktioniert aber genauso mit öffentlichen Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Wichtig dabei: keine sensiblen Daten — anonymisiere, abstrahiere, arbeite mit Platzhaltern.

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#### Reality Check

Du kennst diese Situation: Du hast ein Strategie- oder Konzeptpapier erarbeitet, das gleich vor ein Gremium geht. Du bist überzeugt davon, die Argumente sitzen, die Richtung stimmt. Und dann, im Termin, kommt aus einer Ecke eine Frage, mit der du nicht gerechnet hast — und plötzlich wackelt die ganze Vorlage, nicht weil sie schlecht ist, sondern weil du diesen einen Blickwinkel nicht bedacht hast.

Früher gab es immer wieder solche Momente. Nicht, weil meine Konzepte schwach waren, sondern weil ich sie durch meine eigene Brille geschrieben habe — und im Raum sitzen eben fünf, sechs andere Brillen. Der Vertrieb sieht etwas anderes als die IT, die Rechtsabteilung etwas anderes als der Vorstand.

Heute gehe ich anders in solche Termine. Ich spiele die Blickwinkel vorher durch — mit KI als Perspektivwechsler.

#### Warum das für dich zählt

Ein Konzept scheitert im Gremium selten am Inhalt. Es scheitert daran, dass ein wichtiger Stakeholder sich nicht gesehen fühlt — seine Sorge nicht adressiert, sein Einwand nicht vorweggenommen. Und das Bittere: Diese Einwände sind fast immer vorhersehbar. Man muss sie sich nur *vorher* stellen, statt sich im Termin von ihnen überraschen zu lassen.

Genau das ist eine der wirkungsvollsten Arten, KI zu nutzen — und für alle, [die Folge 2](https://versicherungstech.ghost.io/ghost/?ref=versicherungstech-magazin.de#/editor/post/6a09d9a44f78c700018eb89b) mitgelesen haben: Es ist der Sparring-Quadrant, hohe eigene Kompetenz trifft auf KI-Perspektive. Du brauchst die KI hier nicht, weil dir Wissen fehlt. Du brauchst sie, weil du deine eigene Perspektive nicht verlassen kannst — niemand kann das. Die KI schon. Sie kann glaubwürdig in die Rolle eines Vertriebsleiters, einer Datenschutzbeauftragten, eines skeptischen Vorstands schlüpfen und dir sagen, was diese Person an deinem Papier stören würde.

Das Ergebnis: Du gehst nicht mehr mit einem Konzept in den Termin, das *dich* überzeugt. Sondern mit einem, das du schon durch die Augen aller Beteiligten gesehen hast — und dessen wahrscheinlichste Einwände bereits eingearbeitet sind.

![](https://storage.ghost.io/c/16/79/16794837-6459-4f6f-b4c4-2787d5771849/content/images/2026/07/Gemini_Generated_Image_wlgw6xwlgw6xwlgw.png)

#### Was du jetzt tun kannst

Wir bleiben bei der Logik: Du nimmst eine Gewohnheit, die du sowieso hast — und hängst eine kleine neue Handlung dran. Diese Woche geht es um die Kopplung, die meine Konzeptpapiere gremienfest macht:

> 🌱 **Mein Tiny Habit**  
> *Bevor ich ein Konzept final gebe, lasse ich die KI nacheinander in die Rollen der wichtigsten Beteiligten schlüpfen und mein Papier aus deren Sicht kritisieren.*

Mehr nicht. Das fertige Konzept ist der Anker — der Perspektivwechsel hängt sich davor. Konkret heißt das:

**Schritt 1 — Liste die Beteiligten mit ihren Rollen.** Wer sitzt im Gremium, und wofür steht diese Person? Nicht namentlich, sondern nach Funktion und Interesse: *„Vertrieb — will schnelle Umsetzbarkeit und Provisionslogik. IT — sorgt sich um Wartbarkeit und Schnittstellen. Recht — achtet auf Haftung und Regulatorik. Vorstand — fragt nach Kosten-Nutzen und strategischem Fit."* Diese Landkarte ist die Grundlage.

**Schritt 2 — Lass die KI eine Rolle nach der anderen einnehmen.** Nicht alle auf einmal — das verwässert. Sondern nacheinander: *„Du bist der Vertriebsleiter aus meiner Liste. Lies mein Konzept aus deiner Perspektive. Was gefällt dir nicht? Welche Frage würdest du im Gremium stellen? Wo fühlst du dich übergangen?"* Dann die nächste Rolle, dann die nächste. Jede liefert dir andere blinde Flecken.

**Schritt 3 — Sortiere die Einwände nach Wahrscheinlichkeit und Wucht.** Nicht jeder Einwand ist gleich gefährlich. Frag die KI: *„Welche dieser Einwände sind am wahrscheinlichsten — und welche könnten das Konzept im Termin wirklich zu Fall bringen?"* So weißt du, worauf du deine Vorbereitung konzentrierst.

**Schritt 4 — Arbeite die wichtigsten Einwände vorweg ein.** Jetzt entscheidest du als Mensch: Welche Sorge nehme ich direkt im Papier auf, welche halte ich als Antwort in der Hinterhand bereit? Ein Konzept, das die Einwände seiner Kritiker schon kennt und sichtbar berücksichtigt, entwaffnet die halbe Diskussion, bevor sie beginnt.

Das Schöne an dieser Routine: Sie macht dich nicht nur sicherer im Termin — sie macht dein Konzept tatsächlich besser. Weil du gezwungen bist, es aus jeder Richtung anzuschauen, bevor es jemand anderes tut.

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> **🛡️ Hands on im VTM-Kontext**  
> Für den Perspektivwechsel braucht die KI die *Rollen und Interessen* der Beteiligten — nicht deren Namen, Persönlichkeitsprofile oder interne Machtverhältnisse. Beschreibe die Stakeholder funktional („Leitung Vertrieb"), nicht persönlich. Und das Konzept selbst gibst du nur so detailliert hinein, wie es für die Kritik nötig ist — die Argumentationslinie zählt, nicht die vertraulichen Zahlen dahinter.

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Bis nächste Woche,  
Hannes

> 📤 **PS: Kennst du jemanden, der schon mal von einer Frage im Gremium kalt erwischt wurde?**  
> Dann leite diesen Beitrag weiter. Manchmal ist der entscheidende Schritt nicht das bessere Argument, sondern der Blick durch die Augen der anderen — bevor sie ihn selbst werfen.