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# Das Ende der KI-Flatrate: Warum Versicherer jetzt die Kostenfrage stellen müssen
- URL: https://www.versicherungstech-magazin.de/das-ende-der-ki-flatrate-warum-versicherer-jetzt-die-kostenfrage-stellen-mussen/
- Published: 2026-03-24T05:30:44.000Z
- Updated: 2026-03-24T05:30:44.000Z
- Description: Die Ära der KI-Flatrate endet. Mit der Verlagerung hin zu nutzungs- und ergebnisbasierten Preismodellen wird KI vom Experiment zum Kostenfaktor und zwingt Versicherer, ihre Architektur-, Make-or-Buy- und Skalierungsentscheidungen neu zu denken.
- Author: Lukas Härle
- Tags: Künstliche Intelligenz

*Die Ära pauschaler KI-Ausgaben neigt sich dem Ende zu. Was sich in den vergangenen zwei Jahren für viele Unternehmen wie eine Flatrate anfühlte, entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit in Richtung verbrauchsabhängiger Ökonomie: pro Token, pro Interaktion, pro gelöstem Case.*

*Für Versicherer ist das keine technische Randnotiz. Es ist eine strategische Verschiebung. Denn mit dem Ende der KI-Flatrate verändert sich nicht nur die Preislogik der Anbieter, sondern auch die Wirtschaftlichkeit von POCs, Agenten-Architekturen, No- und Low-Code-Initiativen sowie die Make-or-Buy-Entscheidung grundlegend.*

[Von Lukas Härle](https://www.linkedin.com/in/lukas-haerle-23a36164/?ref=versicherungstech-magazin.de)

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**Der Moment, in dem KI teuer wird**

Es gibt in der Geschichte jeder Basistechnologie einen Punkt, an dem das Experimentieren endet und das Wirtschaften beginnt. Bei der Cloud war es, als die ersten ungeplanten AWS-Rechnungen auf den Tischen der CFOs landeten. Bei SaaS war es der Moment, in dem Lizenzmodelle skalierten, ohne dass der wirtschaftliche Nutzen im gleichen Maße mitwuchs.

Bei KI naht dieser Moment gerade.

Die vergangenen zwei Jahre waren von einer Flatrate-Mentalität geprägt. ChatGPT Enterprise mit festen Seat-Kosten, Azure-Kontingente mit monatlicher Deckelung, interne POC-Budgets ohne unmittelbaren Ergebnisdruck: Die Nutzung wirkte kalkulierbar, häufig sogar beinahe grenzenlos. Das war für die Lernphase sinnvoll. Es war aber nie ein stabiler Endzustand.

Inzwischen verdichten sich die Signale, dass sich die Preislogik der KI-Infrastruktur verändert. Das Handelsblatt beschreibt die aktuelle Phase zutreffend als Übergang: Die Infrastrukturkosten steigen, die Nutzung wächst und die Anbieter beginnen, die Rechnung granularer zu stellen. ([Handelsblatt](https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-briefing/ki-briefing-warum-chatgpt-bald-deutlich-teurer-werden-duerfte/100209899.html?ref=versicherungstech-magazin.de))

OpenAI hat für Business-, Enterprise- und Edu-Pläne bereits ein flexibles Credit-Modell für erweiterte Funktionen eingeführt. Damit verschiebt sich die Nutzung schrittweise vom Pauschalbetrag zur verbrauchsabhängigen Abrechnung. ([Open AI Pricing](https://help.openai.com/en/articles/11487671-flexible-pricing-for-the-enterprise-edu-and-business-plans?ref=versicherungstech-magazin.de))

Was heute noch wie ein Produktivitäts-Feature wirkt, wird damit zunehmend zu einem betriebswirtschaftlichen Faktor. Die KI tritt in ihre betriebswirtschaftliche Phase ein.

**Vom Token zum Case: Die neue KI-Ökonomie**

Die Veränderung beginnt bei den Tokens, endet dort aber nicht. Denn entscheidend ist nicht die einzelne Anfrage, sondern die Kostenstruktur des gesamten Prozesses.

Einfache Anfragen bleiben günstig. Komplexe Versicherungs-Cases sind es nicht.

Ein Schadenfall mit mehreren Dokumenten, eine Underwriting-Entscheidung auf Basis unstrukturierter Daten oder eine mehrstufige Beratung im Vertrieb erzeugen keine einzelne Modellinteraktion, sondern eine Kette von Verarbeitungsschritten. Vertragshistorie prüfen, Kundendaten verifizieren, Tariflogik abgleichen, Entscheidung ableiten, Kommunikationsrichtlinien einhalten: Was im Frontend wie eine einzige Antwort erscheint, ist im Hintergrund oft ein mehrstufiger Ablauf mit entsprechendem Token-Verbrauch.

Damit verschiebt sich auch die Preislogik. Das neue Leitmodell lautet zunehmend nicht mehr nur Pay-per-Token, sondern Pay-per-Outcome: pro gelöstem Fall, pro beantworteter Anfrage, pro automatisierter Entscheidung. Anbieter wie Zendesk haben ein solches Modell bereits produktiv umgesetzt und rechnen nur noch vollständig gelöste KI-Interaktionen ab. ([Zendesk](https://www.eesel.ai/blog/zendesk-ai-dynamic-pricing-resolution?ref=versicherungstech-magazin.de))

Für Versicherer ist das eine relevante Verschiebung. Denn ihre wertstiftenden Use Cases gehören selten zu den einfachen, günstigen Standardinteraktionen. Gerade dort, wo KI wirtschaftlich besonders interessant wird, steigen auch die Kosten.

Hinzu kommt: Die API-Rechnung bildet nur einen Teil der tatsächlichen Aufwände ab. Infrastruktur, Sicherheitsarchitektur, Monitoring, Qualitätssicherung und laufende Optimierung machen aus einem funktionierenden Modell erst ein belastbares System. Genau deshalb wird nicht die einzelne Modellanfrage zum eigentlichen Steuerungsobjekt, sondern der Cost-per-Case.

**Was das für POCs, Agenten und No-Code bedeutet**

Diese neue Kostenlogik trifft die Branche an mehreren Stellen gleichzeitig.

Erstens verändern sich die Anforderungen an POCs. Ein Machbarkeitsnachweis reicht nicht mehr, wenn er keine Aussage über die Kostenstruktur im späteren Betrieb zulässt. Wer heute einen POC ohne Skalierungslogik aufsetzt, beweist im Zweifel nur, dass ein Use Case technisch funktioniert, nicht aber, dass er wirtschaftlich tragfähig ist. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr nur, ob ein Case lösbar ist, sondern was er bei 10.000 Interaktionen im Monat kostet.

Zweitens erhöhen agentenbasierte Architekturen den wirtschaftlichen Druck. Sie schaffen enormes Potenzial, weil sie komplexe Abläufe orchestrieren, Entscheidungen vorbereiten und Prozesse beschleunigen können. Das Fallbeispiel Aviva zeigt, welchen Hebel das haben kann: Durch den Einsatz von über 80 KI-Modellen im Schadenbereich reduzierte der Versicherer die Bearbeitungszeit komplexer Fälle um 23 Tage und sparte erhebliche Summen in der Kfz-Schadenregulierung. ([McKinsey](https://www.mckinsey.com/industries/financial-services/our-insights/the-future-of-ai-in-the-insurance-industry?ref=versicherungstech-magazin.de))

Gerade darin liegt jedoch die ökonomische Herausforderung. Je mehr Modelle, Schleifen und Entscheidungsebenen ein System umfasst, desto stärker steigen die laufenden Kosten. Effizienzgewinne sind real, aber sie sind nicht kostenlos.

Drittens verändern No- und Low-Code-Plattformen die Dynamik. Sie demokratisieren den Zugang zu KI und beschleunigen Innovation im Fachbereich. Gleichzeitig demokratisieren sie auch die Kostenentstehung. Wenn Teams eigenständig Workflows, Assistenten und Agenten bauen können, wächst die Innovationsgeschwindigkeit, aber auch das Risiko unkontrollierter Nutzung. Gartner prognostiziert, dass bis 2030 mindestens 40 Prozent der Enterprise-SaaS-Ausgaben auf nutzungs-, agenten- oder ergebnisbasierte Modelle umgestellt sein werden.

**Eigenentwicklung oder spezialisierter Anbieter: Eine neue Rechnung**

Mit dieser Entwicklung gewinnt eine strategische Frage an Schärfe, die viele Versicherer bislang vertagt haben: selbst entwickeln oder einkaufen?

Die Antwort ist längst keine rein technische mehr. Sie entscheidet über Geschwindigkeit, Governance-Last und langfristige Kostenstruktur.

Wer selbst entwickelt, behält die volle Kontrolle über Architektur, Datenflüsse und Modellwahl. Gleichzeitig übernimmt der Versicherer damit auch die volle Verantwortung für Effizienz, Überwachung, Weiterentwicklung und regulatorische Absicherung.

Wer auf spezialisierte Anbieter setzt, kauft nicht nur Technologie ein, sondern auch domänenspezifische Vorerfahrung. Genau darin kann ein ökonomischer Vorteil liegen. Ein auf Versicherungskommunikation trainiertes System benötigt für dieselbe Aufgabe potenziell weniger Iterationen, erzeugt weniger Korrekturbedarf und liefert konsistentere Ergebnisse als ein generisches Modell. Die eigentliche Stärke liegt dann nicht allein in der Funktionalität, sondern in einem niedrigeren Cost-per-Resolution.

Das Berliner InsurTech muffintech ist ein Beispiel für diese Logik. Das Unternehmen setzt auf ein spezialisiertes Sprachmodell für Versicherungskommunikation und kombiniert unterschiedliche Modelle je nach Aufgabenkomplexität.

Dass die Bayerische einen entsprechenden KI-Assistenten testet, zeigt, dass diese Logik inzwischen auch in der Praxis anschlussfähig ist und dass die Make-or-Buy-Entscheidung nicht nur für große, sondern auch für mittelgroße Versicherer lösbar wird.

Die Make-or-Buy-Entscheidung wird damit zur Frage der Betriebsökonomie. Nicht nur die Leistungsfähigkeit zählt, sondern die langfristige Kostenstruktur im produktiven Einsatz.

**Es ist nicht zu spät, aber das Fenster schließt sich**

Die gute Nachricht lautet: Der Markt ist noch nicht verteilt.

Generative KI wird von deutschen Unternehmen inzwischen klar als geschäftskritisch eingeordnet. Laut KPMG sehen 91 Prozent der Unternehmen generative KI als geschäftskritisch an, 82 Prozent planen steigende Investitionen und rund 69 Prozent haben bereits eine entsprechende Strategie entwickelt; in der Versicherungsbranche liegt dieser Wert ebenfalls bei etwa 69 Prozent.  
([KPMG](https://kpmg.com/de/de/medien/pressemitteilungen/2025/06/aus-kuer-wird-pflicht-91-prozent-der-deutschen-unternehmen-sehen-ki-als-geschaeftskritisch-an-und-stocken-budgets-deutlich-auf.html?ref=versicherungstech-magazin.de))

Die weniger beruhigende Nachricht lautet: Zwischen Strategie und skalierter Wertschöpfung liegt weiterhin eine erhebliche Lücke. PwC zeigt, dass viele Versicherer GenAI intern zwar zulassen, ein wirklich unverzichtbarer, produktiver Use Case aber oft noch fehlt. ([PwC](https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/pwc-studie-ki-im-finanzsektor-2025.pdf?ref=versicherungstech-magazin.de))

Dieses Muster ist nicht neu. Es wurde bereits als strukturelles „Praxis-Paradox“ beschrieben: KI wird exploriert, aber nicht in den Arbeitsalltag integriert.  
(Zum Weiterlesen: [KI-Readiness: Droht der Versicherungswirtschaft der digitale Infarkt?](https://www.versicherungstech-magazin.de/ki-readiness-droht-der-versicherungswirtschaft-der-digitale-infarkt/))

Genau hier wird das Ende der Flatrate-Ära relevant. Wer weiter primär experimentiert, zahlt künftig für Lernprozesse, ohne die Rendite der Skalierung mitzunehmen.

Hinzu kommt der regulatorische Takt. Mit dem EU AI Act steigen Transparenz-, Dokumentations- und Betreiberpflichten weiter an. Spätestens mit der breiteren Anwendbarkeit ab August 2026 wächst damit nicht nur der strategische, sondern auch der regulatorische Druck auf belastbare KI-Governance.

Das Zeitfenster ist also offen, aber nicht mehr lange.

**Was Versicherer jetzt tun sollten**

Aus dieser Verschiebung lassen sich vier Handlungsfelder ableiten.

Erstens muss Kostenbewusstsein von Beginn an in die Architektur einziehen. Nicht jedes Modell ist für jede Aufgabe wirtschaftlich sinnvoll.

Zweitens müssen POCs an Produktionslogiken gemessen werden. Ein Pilot ohne belastbare Aussage zu späteren Kosten ist kein tragfähiger Beweis für Skalierbarkeit.

Drittens darf die Make-or-Buy-Entscheidung nicht länger vertagt werden. Datensouveränität, regulatorische Anforderungen, Geschwindigkeit und langfristige Kostenstruktur müssen jetzt gegeneinander abgewogen werden.

Viertens braucht KI eine tragfähige Datenbasis. Schlechte Daten erzeugen nicht nur schlechte Ergebnisse, sondern teure schlechte Ergebnisse. Die Qualität der Datenarchitektur ist damit nicht Nebenbedingung, sondern wirtschaftliche Voraussetzung und knüpft direkt an die Frage digitaler Souveränität an, wie sie in der aktuellen Diskussion um First-Party-Daten beschrieben wird.  
(Zum Weiterlesen: [Die Agenten-Ära: Warum 2026 die souveräne Datenbasis zum Betriebssystem für autonome KI-Verkäufer wird](https://www.versicherungstech-magazin.de/die-agenten-ara-warum-2026-die-souverane-datenbasis-zum-betriebssystem-fur-autonome-ki-verkaufer-wird/))

**Schlussfolgerung: Die Ökonomie entscheidet, wer bleibt**

Die KI-Transformation der Versicherungsbranche ist keine Frage des Ob mehr. Sie ist eine Frage der Kostenlogik, der Architekturentscheidungen und der Geschwindigkeit.

Die Flatrate-Phase hat Raum für Exploration geschaffen. Doch mit wachsender Nutzung, granulareren Preismodellen und steigendem regulatorischem Druck beginnt eine neue Phase.

In dieser Phase gewinnt nicht, wer am meisten experimentiert.

Es gewinnt, wer KI wirtschaftlich skalieren kann.

Die nächste Wettbewerbsverschiebung entscheidet sich damit nicht mehr allein in der Modellqualität. Sie entscheidet sich in der Fähigkeit, Intelligenz effizient zu betreiben.

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**Quellen**

Handelsblatt: Warum ChatGPT bald deutlich teurer werden dürfte | [handelsblatt.com](https://www.handelsblatt.com/technik/ki/ki-briefing/ki-briefing-warum-chatgpt-bald-deutlich-teurer-werden-duerfte/100209899.html?ref=versicherungstech-magazin.de) (2026)

OpenAI Help Center: Flexible Pricing for Enterprise, Business & Edu | [openai.com](https://help.openai.com/en/articles/11487671-flexible-pricing-for-the-enterprise-edu-and-business-plans?ref=versicherungstech-magazin.de) (2026)

Eesel.ai: Zendesk AI dynamic pricing resolution explained: A 2026 guide | [eesel.ai](https://www.eesel.ai/blog/zendesk-ai-dynamic-pricing-resolution?ref=versicherungstech-magazin.de) (2026) 

McKinsey: The future of AI in the insurance industry | [mckinsey.com](https://www.mckinsey.com/industries/financial-services/our-insights/the-future-of-ai-in-the-insurance-industry?ref=versicherungstech-magazin.de) (2025)

Deloitte: SaaS meets AI agents: Transforming budgets, customer experience, and workforce dynamics | [deloitte.com](https://www.deloitte.com/us/en/insights/industry/technology/technology-media-and-telecom-predictions/2026/saas-ai-agents.html?ref=versicherungstech-magazin.de) (2025)

NTT DATA: Muffintech and the Rise of Generative AI in Insurtech | [nttdata.com](https://insurance.nttdata.com/post/muffintech-and-the-rise-of-generative-ai-in-insurtech/?ref=versicherungstech-magazin.de) (2024)

CIO: Die Bayerische testet KI-Assistent bei Sachversicherungen | [cio.de](https://www.cio.de/article/4031854/die-bayerische-testet-ki-assistent-bei-sachversicherungen.html?ref=versicherungstech-magazin.de) (2025)

KPMG: Aus Kür wird Pflicht: 91 Prozent der deutschen Unternehmen sehen KI als geschäftskritisch an und stocken Budgets deutlich auf | [kpmg.com](https://kpmg.com/de/de/medien/pressemitteilungen/2025/06/aus-kuer-wird-pflicht-91-prozent-der-deutschen-unternehmen-sehen-ki-als-geschaeftskritisch-an-und-stocken-budgets-deutlich-auf.html?ref=versicherungstech-magazin.de) (2025)

PwC: Einblicke zur Künstlichen Intelligenz im deutschen Finanzsektor | [pwc.de](https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/pwc-studie-ki-im-finanzsektor-2025.pdf?ref=versicherungstech-magazin.de) (2025)

EUR-Lex: EU AI Act Volltext | [europa.eu](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1689&ref=versicherungstech-magazin.de) (2024)