> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.versicherungstech-magazin.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Allianz-Studie: Ablenkung verursacht jeden dritten Unfall
- URL: https://www.versicherungstech-magazin.de/allianz-studie-ablenkung-verursacht-jeden-dritten-unfall/
- Published: 2026-10-22T18:24:43.000Z
- Updated: 2026-10-22T18:24:43.000Z
- Description: AZT-Forschung zeigt: Ablenkung am Steuer ist gefährlicher als 0,8 Promille Alkohol. Touchscreen-Bedienkonzepte verlängern Blickabwendungen um bis zu 25 Prozent – Allianz fordert Cockpit-Standards.
- Author: VersicherungsTech Magazin
- Tags: VTM Aktuell, Mobilität & Risiko, Allianz (Allianz Suisse / Allianz Zentrum für Technik), Allianz, Ablenkung, Verkehrssicherheit, Kfz-Versicherung, AZT, Motor Day, Schweiz

Ablenkung am Steuer ist laut neuen Analysen des Allianz Zentrums für Technik (AZT) an mehr als 30 Prozent aller Verkehrsunfälle beteiligt – deutlich mehr als die bislang angenommenen rund 10 Prozent. Die Ergebnisse wurden beim 14\. Allianz Motor Day am 21\. Oktober 2026 vorgestellt.

Grundlage ist unter anderem eine gemeinsame Studie von AZT und dem auf kognitive Modellierung spezialisierten Unternehmen cogniBIT. Sie kombiniert ein Fahrermodell mit realen Eye-Tracking-Daten und zeigt: In einem simulierten Notbremsszenario auf der Autobahn stieg die Unfallquote bei abgelenkten Fahrern von 18,2 auf 54,3 Prozent. Bei einem Kind, das plötzlich auf die Fahrbahn läuft, stieg sie von 3,9 auf 11,2 Prozent. In 39 Prozent der Fälle reagierten abgelenkte Personen gar nicht.

*Bemerkenswert laut Allianz:* Abgelenkte Fahrer schnitten in kritischen Situationen teils schlechter ab als Fahrer mit einer simulierten Blutalkoholkonzentration von 0,8 Promille.

## Bedienkonzepte als Sicherheitsfaktor

Eine ergänzende AZT-Fahrstudie unter Realbedingungen vergleicht aktuelle Fahrzeugmodelle bei identischen Alltagsaufgaben wie Klimaanlage oder Radio bedienen. Je nach Bedienkonzept unterschied sich die Blickabwendungszeit um bis zu 25 Prozent beziehungsweise rund drei Sekunden. Das Problem liege laut AZT-Leiter Christian Sahr nicht im Touchscreen selbst, sondern in dessen Integration ins Bedienkonzept.

Eine Schweizer Allianz-Umfrage unter Autofahrenden stützt den Befund: 77 Prozent sehen in der zunehmenden Digitalisierung der Fahrzeuge einen verschärfenden Faktor für Ablenkung. 64 Prozent der Befragten, die in den vergangenen drei Jahren einen Unfall verursacht haben, halten Ablenkung für eine sichere oder mögliche Ursache. Zwei Drittel (66 Prozent) wünschen sich klassische Schalter und Knöpfe statt verschachtelter Touch-Menüs.

## Drei Forderungen zum Motor Day

- **Fahrzeughersteller:** Sicherheitsrelevante Funktionen wie Scheibenwischer, Blinker, Licht, Warnblinker oder Scheibenheizung sollen dauerhaft über physische Schalter oder fest definierte Touch-Bereiche erreichbar sein.
- **Regulierung:** Behörden sollen Ablenkung systematisch erfassen und Vorschriften sowie Überwachungstechnologien an die fortschreitende Digitalisierung anpassen.
- **Fahrerverantwortung:** 82 Prozent der Schweizer Befragten sehen die Hauptverantwortung für Ablenkungsprävention bei sich selbst – Assistenzsysteme könnten unterstützen, aber Fahrer nicht ersetzen.

Datenbasis ist laut Allianz das bislang umfangreichste AZT-Forschungsprogramm zum Thema: Analyse von über 34.000 Unfallfällen, Eye-Tracking-Studien, ein mit der TU München durchgeführter Fahrsimulatortest, die cogniBIT-Modellierung, eine internationale Befragung in neun Ländern (je 1.200 Personen) sowie die Auswertung von über 80 publizierten Studien. Die vollständigen Ergebnisse sind im Report *„SWIPE. TAP. CRASH. Ablenkung am Steuer im digitalen Auto“* veröffentlicht.

> „Eine gleiche Bedienhandlung kann je nach Fahrzeug bis zu 25 Prozent weniger visuelle Aufmerksamkeit erfordern. Das Cockpit selbst ist zu einem Bildschirm geworden, der mit der Straße um die Aufmerksamkeit des Fahrers konkurriert“, so Dr. Klaus-Peter Röhler, Vorstandsmitglied der Allianz SE.

**Einordnung:** Für Versicherer in DACH ist relevant, dass sich hier eine mögliche Verschiebung der Unfallursachen-Statistik andeutet, die Risikomodelle, Prämienlogik und Präventionsangebote beeinflussen könnte. Ob sich die AZT-Zahlen in nationalen Schadenstatistiken spiegeln, bleibt offen und dürfte Stoff für weitere Branchendiskussionen liefern – ebenso wie die Forderung nach regulatorischen Vorgaben für Bedienkonzepte, die auch Typgenehmigungsverfahren wie Euro NCAP berühren.